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Hands-on Simvalley SPX-5 UMTS: Minimaler Maximalismus für Geschäftsreisende

Mit dem Modelll Simvalley SPX-5 hat Pearl eine Android-Smartphone im Programm, das sich perfekt für geschäftliche Tagestouren mit kleinem Gepäck eignet: Als „Smartlet“ mit 5,2 Zoll-Displays kann es ein kleines Tablet ersetzen. Weil sich das SPX-5 außerdem mit zwei SIMs befüllen lässt (Dual-SIM), darf sogar das Privat-Handy zuhause bleiben. Klappt das wirklich? Ich hab´s ausprobiert – genügend unterwegs bin ich ja.

Wir lernen uns kennen

Über das SPX-5 wurde schon so einiges geschrieben – einschließlich Vergleichen mit dem Samsung Galaxy Note, mit dem es eine ähnliche Bildschirmgröße teilt. Ich finde das im Grunde wenig zielführend – wenn man die 1000-Meter-Leistung eines braven Schulpferdes mit der eines hochgezüchteten Renners vergleicht, sagt das schließlich auch sehr wenig darüber aus, wie nützlich (oder lieb) das jeweilige Tier seinem Besitzer ist. Jedenfalls: das Simvalley SPX-5 liegt mit knapp 230 Euro im aktuellen Pearl-Katalog am ziemlich unteren Ende der Preisskala für halbwegs aktuelle Android-Smartphones, und wer ein anderes Gerät mit 5-Zoll-Bildschirm für dieses Geld sucht, muss das auf dem europäischen Markt wohl lange tun. Das man im vergleich zu High-end-Modellen Abstriche machen muss, liegt auf der Hand: Das Gingerbread-Betriebssystem ist, soweit ich das beurteilen kann „plain Google“, und damit ohne viel Schnickschnack.

Die für das Geschäftsleben wichtige Exchange-Anbindung klappte im Test aber wie am Schnürchen, bei Kontakten sogar mit Bild, wenn auch – wie immer unter Gingerbread! ohne Aufgaben-Synchronsisation. Ein vorinstalliertes Office-Paket sucht man vergeblich, auch für einen PDF-Reader oder ein komfortables Mailprogramm wie etwa K9 muss man selbst sorgen. Dafür bleibt einen auf der anderen Seite aber auch vorinstallierter Freizeit-Schnickschnack wie Shazam oder Endomondo auf dem Geschäfts-Smartphone erst mal erspart – und wer solche Apps braucht, kann ja nach Wunsch selbst installieren. Der Hauptprozessor ist mit 650 MHz allerdings, gemessen am Quadcore-Wahnsinn der High-end-Modelle, wirklich dünn. Zumindest theoretisch – denn bei der Arbeit mit dem SPX-5 sind mir keine nennenswerten Verzögerungen aufgefallen. Ok, außer Angry Birds (läuft flüssig) hab ich nicht wirklich gezockt – aber einen mobile Spielkonsole muss in meinen Augen ein geschäftlich genutztes Smartphone auch nicht sein. Auch durch die 512 MB internen Speicher fühlte ich mich nicht eingeschränkt –meinen 12 wichtigsten Apps, eine 1000-Einträge-Adressdatenbank und meine immer voller Kalender fanden jedenfalls ohne Probleme Platz. Und dann gibt es ja noch für viele Apps die Möglichkeit, sie auf die SD-Karte zu verschieben. Der relativ schwache Prozessor hat allerdings ein wirkliches Manko: Auf Hersteller-Updates auf ICS braucht man wohl nicht unbedingt zu spekulieren. Aber die darf ich mir bei meinem – ursprünglich mehr als 130 Euro teureren – HTC Wildfire S beispielsweise auch abschminken. Das SPX-5 bringt in der UMTS-Version eine 8-Megapixel-Kamera mit Fotolicht mit. Für gelegentliche Schnappschüsse ist die Optik mehr als ausreichend, selbst bei schlechtem Licht. Für Erinnerungen im Traumurlaub würde ich aber (wie bei den meisten Handy-Kameras) vorsichtshalber immer noch eine gute (!) Kompaktkamera mitnehmen.

Zwei Karten, doppelt Freude

Im SPX-5 finden zwei SIM-Karten auch unterschiedlicher TK-Provider Platz, es handelt sich um eines der auf dem deutschen Markt unverständlicherweise sehr seltenen Dual-Sim-Modelle. Die normalgroßen SIMS werden übereinander in den Schacht gelegt, wobei nur die auf Position 1 gesteckte Karte 3G-fähig ist, die zweite muss sich mit GPRS begnügen. Dies wurde in verschiedenen Foren moniert, mich hat es nicht gestört, weil es mir vor allem darum ging, zwei Telefonnummern in einem Smartphone unterzubringen. Welche SIM was macht – etwa ins mobile Internet gehen, MMS/SMS-Versand oder Roaming – lässt sich im Einstellungs-Menü unter „SIM Verwaltung“ einstellen und klappte bei mir stets problemlos. Da ich tatsächlich zwei SIMS unterschiedlicher Netze geladen habe, war es übrigens spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Empfangssituation zwischen O2 und Vodafone manchmal war, auch wenn die Statusmeldungen („geänderter Zugriff“) gelegentlich etwas irritierend wirkten.

Langstreckenläufer

Reisetage dauern bei mir gerne mal etwas länger als die üblichen acht Stunden, deshalb lege ich Wert auf eine lange Akulaufzeit. Bei den heutigen Androiden kann man allerdings – je nach Einstellung – froh sein, wenn sie einen ganz normalen Bürotag überleben. Das SPX-5 ist da, dank seines im Verhältnis riesigen herausnehmbaren 2500 mAh-Akkus eine rühmliche Ausnahme: Im Test überlebte es bei automatischer Abschaltung von rund sieben Stunden pro Nacht (irgendwann muss der Mensch ja mal schlafen) mehrfach zwei XXL-Arbeitstage mit reichlich Kindle-Lesen, Surfen, Mailen und telefonieren mit Leichtigkeit. Das fand ich wirklich erstaunlich. Pearl bietet übrigens noch einen extragroßen Akku als Zubehör an. Keine Ahnung, wie lange das Teil damit durchhält, ich schätze aber mal, für ein verlängertes Wochenende kann das Netzteil dann zuhause bleiben.

Anbauen, bitte

Angesichts des günstigen Preises ist es kein Wunder, dass das SPX-5 ohne viel Schnickschnack geliefert wird: Handy, Micro-USB-Kabel und Netzteil, das war´s. Wer ein Software-Suite benötigt, kann diese wohl herunterladen (ich habe sie nicht gebraucht, und wüsste auch nicht wozu – meine Smartphone-Daten kommen alle aus der Cloud), und auch ein Headset kostet extra. Durch den 3,5mm-Stecker lässt sich (theoretisch) jedes marktübliche einsetzen, die etwas schmale Aussparung im Gehäuse soll jedoch bei manchen Kunden Kontaktschwierigkeiten verursacht haben. Bei mir war das weder mit dem mitgelieferten Pearl-Headset noch bei meinem Sony-Kopfhörer der Fall. Ein Wort noch zur Sprachqualität: Die war sowohl mit als auch ohne Headset ausgesprochen erfreulich, nur ein einziges mal während der Testzeit kam es bei der Übergabe zwischen zwei Zellen in Berlin (wo sonst?) zu einem seltsamen Zombie-Effekt.

Neben dem Headset und dem schon erwähnten Zusatzakku bietet Pearl auch noch eine passende Tasche sowie eine Tastatur an. Die allerdings ließ im Test auf sich warten, so dass ich dazu nichts vermelden kann.

FAZIT

Für mich ist das SPX-5 einer der derzeit interessantesten Androiden auf dem Markt – nicht zuletzt wegen des günstigen Preises. Wer auf UMTS verzichten will, kann mit dem (auch bei der Kamera deutlich abgespeckten) GPRS/Edge-Modell übrigens noch mal 60 Euro sparen). Geschwindigkeit und Speicher sind für reine Business-Anwendungen plus Musik-Hören, Lesen und Surfen ausreichend – wer Apps sammelt oder Filme gucken will, mag das das vielleicht anders sehen. Da ich aber meist ohnehin mit einem Laptop auf Geschäftsreise bin, interessiert mich derartiges „Mäusekino“ wenig. Einen echten, aber kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings gefunden: Das Display verschmierte bei mir, anders als im Katalogtext versprochen, relativ schnell – ein Problem, das sich mit einem feuchten Brillenputztuch allerdings schnell lösen lässt.

Für den Mai hat Pearl ein ähnliches Gerät mit Android 4.0 angekündigt – ich hoffe, das Tech-Sonar auch dann wieder für ein Hands-on zum Zuge kommt.