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Hands-on HTC One V – Design für Einsteiger

Mit der One-Serie vollzieht HTC einen 180-Grad-Kehrtwende in der Produktpolitik: Statt viele (durchaus interessante) Geräte wie 2010/11 auf den Markt zu bringen, sollen es bei den Android 4.0-Teilen des Jahres 2012 weit weniger, dafür extrem stylische Modelle werden. Das  „V“ ist in dieser Range für Einsteiger konzipiert. Ich nehme das 3,7-Zoll Smartphone mal unter die Lupe.

Wir lernen uns kennen

Eine Größe für alle – war noch nie mein Fall, und ist auch einer der Gründe, warum mir die Android-Plattform so sympathisch ist: Mit ein bisschen Suchen findet jeder ein Gerät das (fast) exakt seinen Bedürfnissen entspricht. Das nur 115 Gramm schwere HTC One V dürfte mit seinem Android 4.0-Betriebssystem mit HTC Sense 4.0 Technik-Verliebte mit Sinn für schönes Design ansprechen: Mit seinem schlichten Metallgehäuse und dem superscharfen Bildschirm mit 480 x 800 Pixeln Auflösung wirkt es sehr wertig. Dank IPS-Technologie (HTC nennt sie LCD2) bietet das Display einen ungewöhnlich großen Betrachtungswinkel und lässt sich auch in hellem Tageslicht besser ablesen.

Mit einer Größe von 120 x 60 x 9 Millimetern ist es 5 mm länger als ein iPhone 4S, dürfte aber, weil Breite und Tiefe ihm fast entsprechen, in viele handelsübliche Steckhüllen passen – kein Killer-Feature, aber im täglichen Leben durchaus praktisch, wenn man das gute Stück vor einem aggressiven Schlüssel in der Tasche schützen will. Obwohl das V mit seinem 1.500 mAh-Akku nominell nicht ungewöhnlich gut ausgestattet ist, attestieren ihm die Kollegen von der PC Welt eine außergewöhnlich lange Laufzeit von knapp 9 Stunden beim Dauersurfen. Im Praxistest hatte ich jedenfalls den Eindruck, dass es bei normaler Benutzung (bisschen Surfen, Exchange & Push-Mail, vieeele Fotos, ein paar Telefonate und SMS) mindestens einen XXL-Arbeitstag (= 16 h) durchhält. Das ist allerdings auch notwendig – der Akkus ist (wie bei inzwischen fast allen HTC-Modellen der letzen Monate) nicht austauschbar, man kann also nicht einfach für unterwegs einen Ersatzakku einpacken.

Unterwegs mit dem HTC One V

Ich habe das HTC One V für unser Hands-on ein verlängertes Wochenende mitgeschleppt, und dazu meine paar Lieblings-Apps (Kindle, Remember The Milk, Touchdown) zusätzlich installiert. Ab Werk ist auf dem mit 512 MG RAM und 4 GB Gesamtspeicher ausgestatteten Gerät dankenswerterweise nur wenig überflüssiger Schnickschnack wie der Download-Shop 7Digital installiert. Sowohl Polaris Office wie auch die Dropbox-App gibt es „ab Werk“, bei letzterer winkt bei Anmeldung des aktuellen HTC-Geräts ein besonderes „Gutti“ in Form von 25 GB kostenlosem Online-Speicher für 24 Monate. Wer der Cloud nicht so recht traut, kann den natürlich auch immer noch auf Micro-SD-Karte setzen, das HTC One V bringt einen entsprechenden Schacht mit (die passende Karte muss man allerdings selber kaufen, sie ist nicht im Lieferumfang inbegriffen)…

Obwohl ich Android 4.0 mit dem HTC One V zum ersten mal „in freier Wildbahn“ erlebte, hatte ich keine Schwierigkeiten, mich zurecht zu finden: Die Oberfläche wirkt im Vergleich zu Gingerbread aufgeräumter und nüchterner. HTC legt immer noch seine eigene UI-Variante Sense, nun in der Version 4.0, darüber. Insgesamt ergibt das ein ziemlich stylisches und speziell im Bezug auf soziale Medien auch ein sehr integriertes, stimmiges Gesamtbild, eben wie man es von HTC gewohnt ist.

Mit fünf Megapixeln ist die Kamera erst mal nicht übermäßig hochauflösend – allerdings wurde die Kamera-Software aufgebohrt, und bietet nun interessante „Hipstamatic“- Filter an. Die lassen sich übrigens auch beim Aufnahmen von HD-Videos (max. 1280 x 720 Pixel, 30 fps) anwenden, was etwa beim Filmen von Konzerten zu schicken Effekten führt. Auch die Tonaufzeichnen, stellte ich anlässlich eines ebensolchen fest, ist außergewöhnlich gut, eine parallel benutzte halbwegs aktuelle Marken-Kompaktkamera brachte jedenfalls schlechtere Ergebnisse. HTC hebt beim One V auch die Schnelligkeit der Kamera hervor. Auslöseverzögerungen sind tatsächlich kaum merklich, allerdings dauert es schon manchmal ein bisschen, biss sich die Kamera scharf stellt. Die Ergebnisse sind wirklich ansprechend – hier gibt es ein paar Muster von unserem Sonntagsausflug zum Gut Kerschlach.

Fazit

Als derzeitiger Nutzer eines 5-Zoll-Geräts kommt mir das HTC One V ein bisschen arg winzig vor, ich hab ein paar mal hektisch in der Jackentasche gekramt und Schweißausbrüche bekommen, weil ich es verloren glaubte ;) 115 Gramm ist schließlich nicht viel mehr als eine Tafel Schokolade. Kamera und Video-Funktionen des HTC One V wirken außergewöhnlich gut, auch die Musikwiedergabe mit Beats Audio ist ausgesprochen eindrucksvoll. Das Display wirkt gestochen scharf und ausgewogen, so dass der mit 3,7 Zoll nicht übermäßig große Bildschirm meist nicht weiter stört. Der 1GHz-Prozessor hat sich, obwohl inzwischen leistungsmäßig nominell schon eher am unteren Ende bei aktuellen Geräten, bei mir nicht negativ bemerkbar gemacht. Wer oft aufwendige Spiele zockt, könnte das unter Umständen deutlich anders sehen – aber für solche Anwender bietet HTC mit dem One X dann auch ein High-end-Modell (zum deutlich höheren Preis) an.

Ach ja, der Preis. Das One V wird allenthalben als „günstiges Einsteigergerät“ vermarktete, eine Einschätzung die man bei einem Straßenpreis von derzeit rund 280 Euro (ohne Vertrag) nicht zwingend teilen muss. Ich will jetzt nicht Huawei sagen, aber wer einen günstigen Einstieg sucht, wird anderswo für deutlich weniger Geld fündig. Er muss im Zweifel dann eben auf das wertige Aussehen und die schmucke HTC-Sense-Benutzeroberfläche verzichten (oder sich entsprechende Funktionen selbst nachinstallieren … wir sind hier schließlich bei Android ;) . Ärgerlich finde ich allerdings HTCs Politik, die Akkus fest zu verbauen. Darüber gab es natürlich schon so einige Diskussionen. Deshalb hier dazu nicht mehr, aber für mich ist das ein echter Minuspunkt, weil ich dadurch für lange Tagestouren keinen Ersatzakku in die Tasche schmeißen kann. Wen das nicht stört, und wer ein stylisches Android 4.0-Phone für jeden Tag sucht, macht mit dem HTC One V nichts falsch.