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Hands-on Strato HiDrive: Ein bisschen mehr Platz, bitte

iPhone, iPad, aber auch manche Android-Modelle bieten keine Möglichkeit, den Speicherplatz mit (Micro)-SD-Karten zu erweitern. Da kommt eine Festplatte im Internet, neudeutsch Cloud-Speicher, gerade recht. Strato offeriert mit dem „HiDrive“-Dienst fünf Gigabyte Gratis-Speicher für jeden, kostenpflichtig können sich Privatnutzer ab kapp 17 Euro im Monat bis zu 500 GB, Firmen ab knapp 40 Euro gar bis zu einem Terrabyte mieten. Ich nehme das Strato HiDrive mal mit meinem iPad und MacOS X 10.7 unter die Lupe.

Online-Cloudspeicher ist eine feine Sache – gerade wenn man oft unterwegs ist. Ich nutze ihn beispielsweise, um wichtige Fotos oder Artikel noch im Hotelzimmer ins Internet zu kopieren, damit sich nicht verloren gehen, wen die Kamera liegenbleibt oder der Laptop auf auf einmal den Geist aufgibt (ist mir beides schon passiert …). An entsprechenden Diensten, auch kostenlosen, herrscht ja kein Mangel: neben Box.net, Dropbox, Skydrive und Wuala bietet Apple mit iCloud ebenfalls einen Cloud-Dienst, der sogar ziemlich tief iOS 5 eingebettet ist. Mir allerdings fehlt dabei die Unterstützung von Android-Geräten, denn ich mag meine Dual-Sim-Smartphone sehr. Auch die Optionen der iCloud für Windows-PCs sind eher karg. Zudem muss man bei iCloud und anderen in den USA beheimateten Diensten nicht übermäßig paranoid sein, um sich Sorgen um seine Daten zu machen: Dort ist ein grundlegend anderes Verständnis von Privacy im Rechtssystem verankert. Zudem behalten sich die Anbieter in den Nutzungsbedingungen oftmals vor, strittige Inhalte (und das muss nicht unbedingt urheberrechtlich geschütztes Material sein, auch freizügige Fotos können Probleme verursachen …) an US-Behörden weiterzugeben, Inhalte einfach zu löschen oder den Benutzer ganz zu sperren. Mit einem in Europa besser noch in Deutschland beheimateten Cloud-Dienst ist man da deutlich auf der sichereren Seite, denn das deutsche Datenschutzgesetz gehört zu den strengsten der Welt. Strato wirbt damit, dass seine Server in Deutschland stehen und die Datensicherheit nach ISO 27001 TÜV-geprüft ist.

Wir lernen uns kennen

Neben der kostenlosen HiDrive-Free-Version mit 5GB bietet Strato drei Zahlmodelle an: 20 GB ab 1,49 Euro, 100 GB ab regulär 6,90 Euro (derzeit gibt es ein Aktion, bei der man ein Jahr lang nur einen Euro pro Monat zahlt ) sowie ab 16,90 Euro/Monat 500 GB. Während die kleineren Pakete jeweils nur für einen Nutzer gedacht sind, lassen sich für die 500GB-OPtion bis zu fünf Zugänge anlegen, genug etwa für eine Band, die über das Internet an Tracks arbeiten will, oder auch eine Orga-Gruppe oder eine kleine Firma. Die Vertragslaufzeiten sind zwischen sechs und 24 Monaten wählbar, je kürzer die Mindestlaufzeit, desto höher der Monatspreis. Hinzu kommt je nach Tarif eine einmalige Einrichtungsgebühr, im Gegenzug gibt es jedoch Hardware-Prämien-Aktionen, bei denen man etwa Multimedia-Player oder NAS-Boxen anfordern kann. Weil währen der Vertragslaufzeit da doch eine ganze Meng „Holz“ zusammenkommen kann, bietet Strato für jedes Paket eine 30-tägige Demophase an (die man bei Nichtgefallen allerdings rechtzeitig kündigen muss!).

Mein Paket umfasst einen (kommerziell nicht verfügbaren) Probezugang zu 250 GB. Die Einrichtung auf dem iPad ist denkbar simpel: Einfach die kostenlose App aus dem iTunes Store laden, Benutzername und Passwert eintragen und der Zugriff funktioniert. Eine entsprechende Internetverbindung vorausgesetzt, lassen sich auf dem HiDrive gespeicherte MP3s auf dem iPad streamen, ohne dass sie in iTunes importiert werden müssen – man kann also weitere Playlists online speichern, die keinen Platz auf dem iPad benötigen. Auch zusätzliche Fotos in den unterstützten Formaten (z.B. JPG, GIF) kann man dort lagern und betrachten, ohne sie automatisch auf das iPad zu kopieren. Umgekehr wird übrigens nicht so leicht ein Schuh draus: der Upload von Fotos direkt aus dem iPad funktioniert nicht (bei Android-Geräten geht das aber schon). Update: Direkt aus der Foto-App lassen sich die Bilder auf das HiDrive befördern, bei dem Versuch auf Bilder oder andere Daten aus der Bibliothek meines iPad 2 unter iOS 5.1.1 hochzuladen, kam es allerdings zu Fehlermeldungen.

Die Installation auf dem Mac gestaltete sich ebenso ebenso einfach: Nach dem Herunterladen und Installieren eines kleinen Scripts wird die Verbindung „SMB über VPN“ hergestellt, und die Festplatte landet (etwas kryptisch) als „root“ auf dem Desktop. Sie kann wie jede andere Festplatte oder jeder Server ausgeworfen oder mit „Gehe zu“ → Mit Server verbinden“ gemountet werden. Das Protokoll bedeutet, dass die Daten auf dem Weg vom Desktop zur Online-Festplatte verschlüsselt sind, man kann den Speicher auch noch über andere Protokolle ansprechen. Allen Optionen ist jedoch gemeinsam, dass die Daten auf dem Server selbst unverschlüsselt vorliegen, darin unterscheidet sich der Dienst etwa von Wuala. Es ist jedoch möglich, verschlüsselte Daten auf das HiDrive zu laden.

Vom Desktop und iPad aus wie über das Web-Portal kann man Daten freigeben. Diese lassen sich im Gegensatz etwa zur Dropbox, mit einem Passwort schützen sowie in ihrer Downloadhäufigkeit begrenzen – so kann sich nicht jeder, der im Internet zufällig über den Link stolpert, so ohne weiteres bedienen. Auch das Erstellen eines Backups mit Time Machine ist für Nutzer von OS X 10.5 und 10.6 möglich, Strato hat dazu ein How-to online gestellt. Da mein Rechner allerdings unter 10.7 läuft, fällt diese Möglichkeit für mich flach.

Fazit

Der Strato HiDrive-Dienst bietet vor allem plattformübergreifend arbeitenden mobilen Nutzern viele Optionen, ihre Daten zu sichern und den knappen Speicherplatz mobiler Geräte zu erweitern. Besonders gut gefällt mir die Möglichkeit, Musikdaten direkt von der Festplatte aus zu streamen. Im Vergleich zur iCloud ist der Online-Speicher nicht so nahtlos in die Apple-Betriebssysteme eingebaut, was allerdings wiederum die Gefahr verringert, dass man versehentlich private und sensible Daten in die Cloud schickt, die dort nichts verloren haben. Sparsame Naturen sollten für die Strato-Zahl-Modelle auf günstige Sonderaktionen warten, zum Teil gibt’s dann sogar noch Hardware gratis dazu.