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Hands-on Huawei U8815 /Ascend G300: Androide zum Budget-Preis

Wer kein absoluter Smartphone-Freak ist, fragt sich angesichts der Preise, die für manche aktuellen Geräte aufgerufen werden, ob ein Mitteklasse-Laptop für ähnliches Geld nicht mehr brächte. Inzwischen gibt es bei den Androiden ja eine ganze Reihe von Budget-Modellen. Das U8815 (Produktbezeichnung laut Aufdruck im Gerät und auf der Packung) bzw. Ascend G300 (Vodafone-Bezeichnung) kann man als Vertragshandy mit einem Einsteiger-Tarif schon für aktuelle knapp 20 Euro bekommen. Doch ist das Gerät auch alltagstauglich?

Huawei versucht sich seit kurzem auf dem deutschen Markt als Marke zu etablieren, nicht nur im Billigbereich, sondern auch mit Oberklasse-Geräten wie dem Ascend P1. Das U8815 /Ascend G300 ist allerdings ein klassisches Einsteiger-Smartphone.

Wir lernen uns kennen – und Vodafone dazu

Im Vodafone-Shop, aber auch etwa bei Ebay kann man das Ascend G300 auch vertragsfrei erwerben, für ca. 160 Euro. Weil Vodafone in Deutschland Hauptanbieter ist, kam mein Testmodell mit gleich sechs (!) Vodafone-spezifischen Apps. Die Apps kann ich als Nicht-Vodafone-Kunde nicht nutzen, aber auch nicht (ohne Update/Rooten) löschen. Auch die vorinstallierten Spiele und (Texa Hold ‘Em, Sims 3 Trial, Uno Trial) sowie Anwendungen wie Qype wird man nicht so einfach los. Einzig über das mitgelieferte Documents To Go habe ich mich gefreut.Laut Selbstaufkunft meines vorliegenden Modells sind von den gut 750 MB für den Benutzer freien Speicher so schon fast 100 MB verbraucht, zu viele große Apps sollte man also nicht installlieren wollen. Bei einem vertragsfreien Handy würde ich des nicht akzeptieren, wer sich ein subventioniertes Smartphone holt, muss man mit dererlei Eingriffen in die Software natürlich leben. Das Ascend G300 läuft derzeit unter Gingerbread (2.3.6), nicht mehr gerade die taufrischeste Android-Variante. In den offiziellen Ankündigungen wurde zwar ICS zum Sommer versprochen, derzeit sind ein paar Tweets aber die einzige Info, die man offiziell im Netz dazu findet. Dort wird von „irgendwann in diesem Jahr“ gesprochen.

Zudem hat Vodafone auf gebrandeten Modellen einen Update-Launcher hat installieren lassen, der zu allem Überfluß mit anderen Providern nicht funktioniert. Selbst wenn Huawei in offizielles Update freigeben sollte, bedeutet das also nicht, dass man es je auf sein gebrandetes Modell laden kann, wenn man kein Vodafone-Kunde ist (oder irgendwo ein ungebrandetes Modell erstehen kann).

„Mein“ Ascend G300 kam Ladekabel und Headset. Auf der Packung war übrigens nichts von einem Software-Branding vermerkt, das erfuhr man erst nach dem Anschalten. Der 4-Zoll-Bildschirm hat 800 x 400 Pixel und wirkt scharf und brillant. Er funktionierte bei mir knackig und präzise, was man allerdings von den Soft-Tasten unterhalb des Display nicht immer behaupten konnte: die nämlich mussten doch öfter zur schnellen Reaktion „überrredet“ werden. Das Gerät selbst liegt gut in der Hand und ist mit 140 Gramm auch nicht zu schwer. Die Form erinnerte mich an mein altes HTC Desire, die Verarbeitung wirkt auf mich ähnlich wertig. Allerdings sitzen Akku und Deckel ziemlich streng, man sollte also im Zweifel nicht so sehr an seinen Fingernägeln hängen. Das G300 hat laut Specs 2 GB Speicher, die mit einer SD-Karte um bis zu 32 GB erweitert werden können.

Durch die Woche mit dem Ascend G300

Beim Ascend G300 hat Huawei weitgehend auf eine eigene Oberfläche verzichtet, das Gerät wirkt dadurch schön aufgeräumt. Die Installation von Mail, verschiedenen Apps etc. funktionierte (erwartungsgemäß) problemlos. Zwar habe ich schon ein paar mehr Androiden in der Hand gehabt, ich denke aber, dass auch ein Einsteiger, der sich ein bisschen konzentriert, leicht klar kommt. Bei normaler Nutzung (Telefonieren, Surfen, Google Mail) hat der Akku bei mir immer mindetsens zwei Tage lang durchgehalten, allerdings bin ich derzeit wegen Netzüberlastung fast nur 2G unterwegs.

Die einzige Kamera hat fünf Megapixel und ein zuschaltbares Fotolicht, außerdem Digitalzoom. Sie löst halbwegs schnell aus, die Bildqualität ist in meinen Augen ganz ok (siehe Bild). Effekte gibt es keine, wer das will, kann sich aber zum Beispiel Magix Camera MX als Alternative installieren. Eine Frontkamera habe ich nicht vermisst, wer nun aber partout Videotelefonie betreiben möchte, für den ist das natürlich ein echtes Ärgernis.

Die GPS-Fähigkeiten des Ascend G300 haben mir sehr gut gefallen, und zwar sowohl beim Einsatz mit Google Maps wie mit View Ranger und Endemondo: Die Satelliten wurden gut gefunden , die Standortbestimmung war präzisie, und , oh Wunder, ein bisschen Route suchen macht nicht gleich den ganzen Akku leer.

Andere nützliche Alltags-Apps wie einen E-Book-Reader, ein übersichtliches Mailprogramm für mehrere Accounts (K9) oder auch eine ÖPNV-App muss man sich natürlich nachinstallieren. Auch beim Browser würde ich jetz eher Delphin wählen. Eine Exchange-Anbindung ist (typisch Gingerbread) bereits vorinstallliert, die habe ich aber nicht ausprobiert.

Am vorinstallierten Musik-Player hatte ich auch nix auszusetzen, persönlich würde ich hier wiederum Double Twist vorziehen, weil ich mir da meine Playlisten aus iTunes ziehen kann. Soundmäßig würde ich das Ascend G300 mittelklassig einordnen, wobei Musikfans mit einem neuen Headsets sicher nix falsch machen. (Tipp für Spielkinder: Der Coca Cola Beatmaker zur Olympiade läuft wirklich gut auf dem Gerät und macht einen Heidenspaß…)

Fazit

Das Huawei U8815 / Ascend G300 ist ein solides Einsteiger-Smartphone für Leute, die nach ihren Mails gucken, ein bisschen surfen und eine paar Apps herunterladen wollen, und nicht auf futzelkleine Bildschirme stehen. Foto-Funktionalität und der Musikplayer sind solide, aber nichts für gehobene Ansprüche, insgesamt wirkt das Teil aber wertig. Einzig die schlecht reagierenden Soft-Tasten irritieren manchmal, am besten mit dem Daumen etwas länger drauf bleiben, dannn funktioniert es besser. Ein echtes Manko ist das Branding, denn die „Zugaben“ verbrauchen sinnlos Platz und verhindern ggf. ein Hersteller-Update. Wer keinen Vodafone-Vertrag hat/abschließen will, sollte deshalb tunlichst eine ungebrandete Version erwerben.