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Ausstellung: David Bowie is

Noch bis Anfang August läuft die große Retrospektive des einflussreichen Musikers und Künstlers David Bowie im renommierten Victoria & Albert Museum in London. Tech-Sonar hat sich die Schau bei einem kürzlichen Trip in die britische Hauptstadt mal angesehen.

Eigentlich ist ja noch ein bisschen Zeit: erst am 11. August soll die Schau im Victoria & Albert Museum planmäßig schließen, sie läuft bereits seit Ende März. Der Andrang ist jedoch schon jetzt so groß, dass keine Karten (15,50 Pfund) online mehr vorbestellt werden können: Wer die  aufwendig angelegte Schau sehen will, sollte bei Kassenstart anwesend sein, und sich einen der Viertelstunden-Slots sichern, in denen pro Tag noch mindesten 450 Tageskarten-Besucher eingelassen werden. Da man sich dann jedoch so lange wie gewünscht in den Räumen aufhalten kann – und es Einiges zu entdecken gibt – herrscht trotzdem oft drangvolle, doch eine seltsam distanzierte Enge: Alle Besucher erhalten einen Audioguide, der ortsgesteuert eine Art „Soundtrack“ aus Musik, Kommentaren und Sound zu den Ausstellungstücken wiedergibt, und so jeden Einzelnen in einer eigenen Welt scheinbar gefangen nimmt, obwohl er sich doch inmitten einer Menschenmenge befindet. Gewollt oder ungewollt bezieht sich so schon die Darreichungsform der sorgfältig kuratierten Ausstellung auf Leben und Werk des 1947 geborenen Künstlers, der Vielen als das am schwersten fassbare Chamäleon der Rock- und Popgeschichte gilt, und in den letzten zehn Jahren nach einem Herzinfarkt so gründlich von der Bildfläche verschwunden ist, war, dass immer wieder über seinen Tod spekuliert worden war. Bis er im März 2013 mit dem neuen Album „The Next Day“ (Video) überraschte.

Obwohl ein Großteil der Schau sich auf seine Anfänge und größten Erfolge in den Sechzigern und Siebzigern konzentriert und die stark kommerzielle Phase in den Achtzigern fast vollständig ausblendet, wurde peinlich darauf geachtet, dass die Schau nicht zu einer reinen Hommage an den Musik-Pionier verkommt: Seiner Arbeit als Schauspieler, Avantgarde-Performer und Maler wurde wie auch den geschichtlichen Hintergründen viel Raum gegeben. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Kostümen, die die verschiedenen Alter Egos des Sängers erst auf der Bühne zum Leben erweckten – zum großenTeil prachtvolle Stücke bekannter Designer. Und auch die „Show“ darf selbstverständlich nicht fehlen – zum Finale flimmern überlebensgroß Konzertszenen an drei Seiten eines mehrstöckigen Raumes. Der Besucher verlässt danach die Sonderausstellung überwältigt – und ist dem Werk von David Bowie ein bisschen, der Person David Robert Jones, so sein bürgerlicher Name, jedoch kein Stückchen näher gekommen. Was durchaus Absicht sein dürfte: Welche Farbe hat ein Chamäleon wirklich?