Hands-on Acer Iconia B1/ Beyerdynamic Custom Pro: The Sound of Music

„The Sound of Music“ war ein schnulziges Musical aus den späten Fünfzigern, und gehört eigentlich nicht zu meinen Favoriten. Ohne  Musik wäre das Leben jedoch nur halb so schön, und deshalb kam mir das Acer Iconia B1, das unsere Redaktion erreichte gerade recht: Der Siebenzöller unter Android 4.1 Jelly Bean darf seine Fähigkeiten im Audio-Bereich für ein Hands-on unter Beweis stellen. Und damit mir ja keine Ton entgeht, habe ich mir einen der renommiertesten Kopfhörer am Markt besorgt: Einen Beyerdynamic Custom Pro.

Die beiden Geräte zusammen in ein Review zu packen, ist natürlich eigentlich mindestens gewagt: Das Iconia B1-Tablet wurde von Acer klar als Einsteiger/Zweit/Budget-Modell konzipiert und ist inzwischen schon zu einem Straßenpreis von unter 100 Euro zu haben. Dass man vom Iconia B1 nicht gerade Luxus-Qualität erwarten darf, sollte also klar sein. Der Bildschirm bringt 600 x 1.024 Pixel Auflösung und sitzt in einem relativ breiten Bezel, der im Porträt-Modus oben zudem deutlich breiter als unten ist, um Platz für die (einzige) Front-Kamera mit mageren 640 x 480 Pixeln Auflösung zu schaffen. Getaktet wird mit einem Dual-Core-Prozessor mit 1,2 GHz bei 1GB RAM und 8GB ROM, per Micro-SD-Karte kann man aber zumindest den Gerätespeicher etwas aufrüsten. Acer bietet außerdem über den eigenen Cloud-Service Online-Speicher an.

Die Klappe am unteren Ende des Iconia B1 lässt sich leicht und ohne abgebrochene Fingernägel öffnen, durchaus keine Selbstverständlichkeit. Er wirkt aber nicht besonders stabil: Tägliche Micro-SD-Kartenwechsel sollte man also eher nicht ins Auge fassen. Mit etwas mehr als einem Zentimeter Stärke wirkt das Gerät verhältnismäßig klobig für ein Wifi-only-Modell, seltsamerweise klingt die Kunststoff-Rückseite ein bisschen hohl, und das Display biegt sich (deshalb?) bei beherztem Drauftippen ein bisschen durch. Der Akku ist mit 2640 mAh nicht besonders üppig ausgestattet, in Testlaboren kamen Kollegen deshalb auf nur knapp vier Stunden Surfen und nicht ganz 3.5 Stunden Videos gucken mit einer Ladung. Mir ist beim Hands-on die Akkulaufzeit nicht so negativ aufgefallen – ich hänge meine Tablets/Smartphones ohnehin jeden Abend ans Netz, und einen Arbeitstag hat das Iconia B1 klaglos durchgehalten.

Der Beyerdynamic Custom Pro, ein modularer High-end-Kopfhörer, der auch im Musikstudio eingesetzt werden kann, kostet mehr als doppelt so viel wie ein Iconia B1. Wenn man – wie in diesem Hands-on – das Custom Headset Gear hinzunimmt, werden nochmals 50 Euro extra fällig. Da ist es kein Wunder, dass einen schon beim Auspacken das Gefühl von Luxus beschleicht: Die abnehmbare Polsterung des Bügels und der geschlossenen Ohrstücke fühlt sich butterweich an und sitzen gleich beim ersten Aufsetzen perfekt. Das einseitig geführte Kabel ist standardmäßig mit dem „großen“ 6,35 mm-Klinkenstecker ausgerüstet, dieser lässt sich jedoch abnehmen. Darunter kommt ein ebenso vergoldeter 3,5 mm-Stecker zum Vorschein, der in praktisch alle Mobilgeräte sowie an Laptops passt.

Wir haben eine weißes Modell aus dem Demo-Pool erhalten, wer sich ein Beyerdynamic Custom Pro-Modell bestellt, kann dieses jedoch umfangreich an den eigenen Geschmack und Anwendungsbereich anpassen: Neben diversen Kabel-Optionen und dem bereits erwähnten Headset-Modul lassen sich auch die Polsterungen  sowie die Alu-Abdeckung an der Außenseite der ohrumschließenden Muscheln nach Geschmack tunen. Sogar die Sound-Eigenschaften sind veränderbar, den mit dem „Custom Sound Slider“, zwei etwas streng sitzenden Schaltern  unten an den Ohrhöheren kann man sowohl die Dämpfung der Außengeräusche als auch die Bass-Stärke einstellen.

Bass, gib mir Bass!

Als ich den Kopfhörer in die Buchse am Tablet einstecke, rufe ich Googles „Play Music“ auf und lade mir die Gratis-Single der Woche, in diesem Fall „The Lonly Night“ von Moby, herunter. Und falle beinahe rückwärts vom Stuhl: So druckvoll und klar habe ich es überhaupt noch nie aus einem Kopfhörer schallen hören. Und  das will durchaus was heißen, schließlich hatten wir hier schon so einige schöne Stücke zum Hands-on. Nur um sicherzugehen, dass das nicht zufällig am Sound-Chip des Tablets liegt (eine eher unwahrscheinliche Vermutung, aber wer weiß), probiere ich den Beyerdynamic Custom Pro auch an diversen PCs/Macs, an einem iPad Mini, sowie älteren iPod Nano aus: Das Ergebnis ist immer umwerfend, bei unseren Lenovo-PCs und dem iPad Mini merkt man, das es an der Sound-Software und dem Sound-Chip wohl doch auch noch Qualitätsunterscheide gibt, denn da klagt Moby gleich noch ein Stück ergreifender. Auch Ego FM, ein Radio-Favorit hier in der Redaktion, klingt über den Kopfhörer gleich noch mal so gut. Whoha!

Ich mag den Custom Pro glich gar nicht mehr absetzen, er sitzt so bequem, dass ich mir vorstellen kann, dass auch Menschen, die beruflich unter einem Kopfhörer arbeiten, keine Schwierigkeiten haben, diesen mehrere Stunden zu tragen. Ich aber stecke das Headset-Modul an den Kopfhörer, und rufe Skype auf dem Iconia B1 auf. (Hey, könnte ja sein, das ich mit einem Gitarristen in LA sprechen muss, oder?) Das läuft übrigens in unserem (sehr schnellen) W-LAN flüssig und ohne ruckeln auf dem Tablet, welches beim Testgespräch auch nicht gleich warm wird. Das Beyerdynamics Custom Headset Gear sieht ein bisschen aus wie man das aus Filmen in Cockpits kennt: Es handelt sich um ein Richtmikro an einem Schwanenhals mit abnehmbaren Poppschutz aus Schaumgummi. Ganz ehrlich – auf die Straße gehen würde ich so nicht gerade. Dafür jederzeit wieder telefonieren: dank der gerichteten Tonaufnahme werden selbst deutliche Hintergrundgeräusche nicht mitübertragen, die Sprache ist selbst über Skype klar und deutlich. Ziemlich eindrucksvoll.

Jetzt bin ich angefixt, und möchte mir auch ein bisschen wie ein Produzent im Studio vorkommen, und lade mir den Magix Music Maker sowie Pocketband herunter – beides Apps, mit denen man nach Herzenslust mixen und loopen kann. Wie das im Detail funktioniert, davon habe ich zwar keine Ahnung, trotzdem bekomme ich dank Magix Music Maker einen ganz netten Rock Ballads-Track zusammen (sorry, war einer der wenigen kostenlosen Stile). Für richtig große Projekte eignet sich das Iconia B1 vielleicht nicht ganz so gut – der Speicher ist mit 8GB (wovon nach ein paar wenige App-Downloads nur noch knapp 5 übrigblieben) einfach zu spartanisch, und der Bildschirm irgendwann eben doch zu klein und zu grob für stundenlange Arbeit.  An den Renderzeiten fand ich dagegen nichts auszusetzen, auch die in anderen Reviews monierten häufigeren „Appstürze“ des Tablets bei komplexerer Software habe ich beim beim Magix Music Maker nicht erlebt. Dafür beim Smule Magic Piano, einem Musikspiel nach dem „Guitar Hero“-Prinzip. Es lässt sich deshalb schwer sagen, ob Tablet oder App hier der Schuldige ist- Übrigens: Ohne Kopfhörer sind Musik-Anwendungen beim Iconia B1 eher  blöd – wenn das Tablet auf einer festen Unterlage liegt, gibt der rückwärtige Lautsprecher endgültig nur noch ein verschämtes Nuscheln von sich.

Fazit

So unkonventionell (und, realistisch gesehen, im echten Leben unwahrscheinlich) die Kopplung von Einsteiger-Tablet und High-end-Kopfhörer auch ist, beide haben mich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so bequeme und klangstarke Kopfhörer wie den Beyerdynamic Custom Pro gibt. Wer mit dem Teil auf der Sraße unterwegs ist, muss vielleicht ein bisschen aufpassen – je nach Slider-Stellung des „Custom Sounds“ ist die Außendämpfung schon ziemlich perfekt, so dass man herannahende Gefahren nicht unbedingt rechtzeitig mitbekommt. Dafür hat man garantiert auch im Winter warme Ohren und sieht dank des Retro-Designs aus wie ein Musikprofi oder DJ. Zusammenlegen kann man den Beyerdynamic Custom Pro leider nicht, übermäßig taschen/gepäcktauglich ist er daher nicht.

Beim Acer Iconia B1 muss man den sehr günstigen Preis bei der Bewertung im Augen behalten. Für den Preis einer Marken-Jeans bekommt man ein ordentliches Tablet für unterwegs mit halbwegs aktuellem (4.1.2)-Android-Betriebssystem (aber noch ohne Google Now). Abstriche sind bei der Display-Auflösung und zum Teil auch beim Betrachtungswinkel zu machen, bei der etwas knarzigen Verarbeitung, dem relativ eingeschränkten Speicher sowie der fehlenden Rück-Kamera. Die wird übrigens spätestens dann wirklich ärgerlich, wenn man QR-Codes nutzen will. Überrascht und erfreut haben mich dagegen die ruckelfreie Bedienung und die cleane Oberfläche ohne großartige Bloatware. Lediglich ein paar Spielportale, Zinio, eine Virenschutz vom McAffee und die Acer Cloud waren vorinstalliert. Man bekommt also für den Preis ein solides Gerät, mit dem man etwa im Urlaub im Hotels Mails checken, surfen,  ein bisschen Spielen,  Musik hören und Videos gucken kann. Wer ein Leistungs-Geschoss oder ein Designer-Teil will, muss freilich woanders schauen – und das Dreifache hinlegen.