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Hands-on Misfit Shine: Der Tracker für Unsportliche

Aktivitäts-Tracker sind derzeit das „große Ding“ – die aufgepimpten Schrittzähler sollen helfen, ein aktiveres Leben zu führen. Der/das Misfit Shine macht das ganz besonders elegant und auch „business-tauglich“, denn das flache, Zwei-Euro-große Modul macht sich auch zum edlen Zwirn gut. Und was kann es sonst noch, außer gut auszusehen?

Aktivitäts-Tracker sind eine tolle Sache: Sie halten fest, wie viel man sich am Tag bewegt. Das ist nicht so trivial wie man denkt: Rund 10.000 empfiehlt etwa die  Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde für einen erwachsenen Menschen täglich, das soll Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Altersdiabetes und sogar Krebs verhüten, auf alle Fälle aber macht Bewegung Laune.

Dummerweise ist es gar nicht so einfach, diese Schrittanzahl (sie entspricht je nach Körpergröße etwa 6-8 Kilometer) zusammenzubekommen: Wer mit dem Auto zum Arbeitsplatz fährt und eine sitzende Tätigkeit ausführt, kommt pro Tag oft auf nicht mehr als 3.000. Tracker können helfen, sich das bewusst zu machen, und im besten Falle motivieren, daran etwas zu ändern.

Wir lernen uns kennen

Nun habe ich für Tech-Sonar schon zwei Varianten, nämlich das Jawbone Up und von Fitbit das Flex getestet. Beide sehen mit ihren bunten Gummi-Armbändern sehr „sportlich“ aus. Das ist nicht Jedermanns Sache, vor allem dann nicht, wenn beruflich bedingt öfter mal „angezogen“ aussehen muss. Bei Misfit Shine ist das anders: Der Metall-Tracker ist eine flache Metallscheibe, die man wahlweise mit einem Clip unauffällig an der Kleidung befestigen, als Armband oder sogar um den Hals tragen kann. Eine kleine Rinne an der Außenkante  stellt dabei sicher, dass der Tracker in jeder Halterung bombenfest sitzt – der Kleider-Clip und ein Armband sind in der Packung bereits inbegriffen. Ein schickes Lederband sowie die Ketten-Halterung kann man derzeit allerdings nur auf der Misfit-Homepage bestellen.

Dort gibt es die Tracker auch in einem Champagner-Ton sowie in Blau – ich habe dagegen das – auch in Deutschland bei Gravis und im Apple Store erhältliche Dunkelgrau. Das passt optisch prima zu meinem neuen iPad Mini Retina.

Allerdings braucht man nicht das allerneueste iOS-Modell, um mit dem Misfit glücklich zu werden: ein iPhone 4S, iPad der 3. Generation, iPad Mini, oder iPod Touch (5. Generation) genügen auch. Außerdem soll sich die kostenlose App auch auf Android-Geräten ab 4.2 installieren lassen, was ich mangels Gerät jedoch nicht versucht habe.

Ansonsten gibt es jedoch keine Alternative zum Mobilgerät, wie sie etwa das Fitbit Flex bietet – das Misfit Shine „pairt“ sich mit dem iOS-Gerät, wenn man es auch den Bildschirm legt (sieht toll aus), und danach auch per Annäherung über das stromsparende BLE-Bluetooth-Protokoll. Ein Webportal oder gar die direkte Synchronisation mit einem Computer sind (derzeit) nicht vorgesehen. Das macht die Anwendung einerseits unglaublich einfach – hat aber den Nachteil, dass die erhobenen Daten nicht exportiert werden können. „Professionelle“ Selbstvermesser dürfte das recht unglücklich machen.

Reduktion aufs wesentliche

Es gibt überhaupt eine ganze Menge, das beim Misfit Shine fehlt: Etwa die Notwendigkeit, das Gerät seltsam in den Kopfhörereingang zu stecken (Jawbone Up) oder auch ein ultra-proprietäres Ladekabel für 20 Euro, mit dem der Tracker alle paar Tage wieder aufgeladen werden muss (Fitbit Flex). Denn das Misfit arbeitet mit einer handelsüblichen Knopfzelle, die der Packung beiliegt, und die man mit Hilfe der beigepackten Werkzeuge auch ganz einfach einbauen und Wechseln kann. Etwa vier Monate lang soll man sich dann nicht mehr um die Stromversorgung kümmern müssen – für jemanden wie mich, der sich andauernd über sein leeres Fitbit Flex ärgern musste (selber schuld, ich weiß) ein echte Wohltat.

Die Bauform bringt gleich noch einen weiteren Vorteil mit sich: Das Misfit Shine ist tatsächlich wasserdicht. Und zwar so wasserdicht (50 m), dass selbst kilometerlanges Kraulen ihm nichts ausmacht. Für mich als Schwimmerin ein Traum – zumal im „Lab“ – dem Betaversionen-Menü der App, auch Schwimmen als zählbare Aktivität unterstützt wird. Weitere Optionen für die „Aktivitäts-Markierung“ durch dreimaliges Antippen des Geräts  sind z.B. Tennis, Radfahren und Fußball, außerdem lässt sich das Shine auch als Schlaf-Tracker nutzen. Die wunderschöne, lokalisierte und sehr klar designte App zeigt das Bewegungspensum als Punkte, Schritte, verbrauchte Kalorien oder in Kilometern an, außerdem geben die zwölf LEDs auf der Oberseite des Shines nach dem Antippen ebenfalls den aktuellen Stand an. Prinzipiell, so scheint es mir, ist das Shine ein ganzes Stück restriktiver in der Vergabe der Bewegungspunkte – im Vergleich zum Fitbit Flex wurden jedenfalls deutlich weniger Kilometer bei gleichem Tagesablauf aufgezeichnet. Was vermutlich realistisch ist – das Shine bietet einen Dreiachsen-Sensor und scheint sich dadurch nicht so einfach etwa durch Tippen auf einer Tastatur verwirren zu lassen.

Wie bei allen Tracken kann man sich beim Misfit Shine seinen Bewegungserfolg im Tages- und Wochenrythmus anzeigen lassen, und sich auch über Facebook oder die Misfit-Community mit anderen messen. Das war´s dann aber auch schon – man muss weder seinen Wasserverbrauch noch die Kalorienzufuhr eingeben, und kann – oder muss – auch keine Aktivitäten manuell hinzufügen. Manchem mag das zu wenig sein – ich habe es beim Test genossen. Mein einziger Wunsch in dieser Hinsicht wäre die Integration der Daten in andere Sports-Apps wie etwa Endomondo.

Ein Feature habe ich allerdings wirklich schmerzlich vermisst: Den „leisen Alarm“, den sowohl das Jawbone Up wie das Fitbit Flex bieten, und das mich partnerverträglich am Handgelenk aus dem Bett brummt, wenn ich mal wieder im Morgengrauen zum Flieger muss. Dafür bietet das Fitbit Shine eine Uhr-Funktion über die zwölf LEDs: Kurz angetippt zeigen sie Stundenund Minuten (in 5-Minuten Abständen) an. Das klappt erstaunlich gut und exakt, wenn man an die Anzeige mal gewöhnt ist. Menschen, die Tokyo-Flash-Uhren tragen wissen, was ich meine.

Fazit:

Das Misfit Shine ist so etwas wie der Tracker für Erwachsene: Stylisch, recht exakt und ansonsten ohne Schnickschnack. Außerdem ist es der erste Tracker, zu dem ich mehrmals angesprochen wurde – einschließlich der dringenden Bitte, eine Bezugsquelle zu nennen. Die „Och, ist ja toll, zeig mal her“s kann ich schon nicht mehr zählen, und das, obwohl das Misfit Shine wirklich sehr unauffällig ist.

Die Uhren-Funktion lieeeeebe ich  – aber der Vibrationsalarm fehlt mir schon. Auch darf das Eco-System gerne noch ein bisschen wachsen oder sich – wäre mir noch lieber – mit anderen Health-Devices/Apps verzahnen. Auch die Möglichkeit, Daten auszudrucken oder zu exportieren – etwa für eine Arztgespräch – fände ich noch wichtig. Und die Unterstützung meines geliebten Nokia Lumina 620 unter Windows Phone 8.1.

Misfit Shine ist erst am Anfang – aber ich könnte mir vorstellen, dass der Tracker ganz schon Bewgung in den Markt bringt. Für knapp 120 Euro ist es jedesfals das schickste, stabilste und bequemste Device, das man sich derzeit zulegen kann.