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Hands-on Simvalley AW-414 Go Smartwatch: K.I.T.T., bitte kommen

Seit Knight Rider sind Uhren mit Kommunikationsfunktion der ultimative NERD-Traum. Doch auch Otto und Ottilie Normalnutzer finden langsam Gefallen an Uhren, die mehr können als nur die Zeit anzeigen – das Samsung Galaxy Gear ist ein gutes Beispiel. Normalerweise benötigt so eine Smart Watch allerdings ein Smartphone oder Tablet, mit dem es zusammen funktionieren kann. Pearl bietet mit dem Modell Simvalley AW-414 Go eine andere Möglichkeit: die 90 Gramm schwere Uhr beherbergt ein komplettes Smartphone unter Android 4.2.2 – und das zum relativ moderaten Preis von knapp 200 Euro.

Wir lernen uns kennen

Die SimvalleyAW-414 Go kommt in einem edlen schwarzen Kästchen mit Uhrenkissen – macht definitiv was her. Geladen wird sie mit einem proprietären Ladekästchen mit Kontakten, das über den USB-Anschluss an den Computer geklemmt wird. Über die USB-Verbindung kann nur geladen werden, die Uhr wird also nicht als USB-Laufwerk auf dem Desktop angezeigt. Das macht es ein bisschen komplizierter, den bereits vorinstallierten Mediaplayer zu nutzen: Am einfachsten lädt man diese direkt auf die (nicht im Kaufpreis inbegriffene) bis zu 32 GB große Micro-SD-Karte. Doch der Reihe nach.

Zur Inbetriebnahme ist nämlich erst mal Fingerspitzengefühl gefragt: Der auswechselbare 600 mAh-Akku für bis zu 75 Stunden Stand-by ist genau wie der SD- und der seitliche Schacht für Micro-Sims nur erreichbar, wenn man eine ganze Reihe ziemlich fitzelig-kleiner Schrauben löst, der passende Schraubenzieher liegt bei.  Vermutlich liegt das daran, dass nur so das Innenleben vor Feuchtigkeit sicher geschützt werden kann. Laut beiliegender Anleitung besitzt die Uhr Schutzklasse IP65, ist also staub- und strahlwassergeschützt (und damit etwa nicht zum Abspülen oder Schwimmen geeignet). Für rund 100 Euro mehr gibt es seit kurzem jedoch auch ein Modell mit Schutzklasse IP67.

Mit 90 Gramm (inkl. Akku) ist die Uhr relativ groß – an meinem XXS-Handgelenk würde sie mich auf Dauer doch stören, an normalgroßen (Männer)-Armen sollte es kein Problem geben. Das angenehm weiche Armband bietet genügend Löcher für XXS- bis XXL-Armstärken, es ist allerdings nicht auswechselbar. In dem 45,3 x 44,3 x 14,1 mm großen Uhrengehäuse mit 1,5-Zoll AMOLED-Display mit 240 x 240 Pixel Auflösung und zwei Hardware-Knöpfen (Ein/Ausschalter und Home) ist ein Android 4.2.2-System mit GPS, G-Sensor und E-Kompass, Quadband-GSM, W-LAN und sogar eine Drei-Megapixel-Kamera für Foto und Video untergebracht. Als Prozessor werkelt ein Cortex A7 mit 1,2-GHz-Taktung, der Speicher ist mit 512 MB RAM etwas dürftig, kann aber ja über Micro-SD-Karte aufgerüstet werden.

Basis für das vernetzte Leben

Die Uhr bietet das übliche Set der Google-Anwendungen vorinstalliert, aber auch vollen Zugang zu Google Play. Natürlich funktioniert auf dem Mini-Display nicht jede Anwendung sinnvoll, und es lassen sich auch nicht alle installieren – auf die Angry Birds muss man beispielsweise verzichten. Google-Mail, Kalender und sogar Facebook funktionieren aber. Pearl hat ein PDF mit getesteten Apps online gestellt. Darunter ist auch die Fitness-App Runtastic – durchaus eine attraktive Anwendung für ein Mobilgerät mit GPS und E-Komplass.

Für das Einrichten aller Apps benötigt man allerdings wieder Geduld und eine ruhige Hand, denn die Minikleinen Buchstaben sind nicht eben leicht zu treffen. Deshalb liegt ein Mini-Stift bei, den man sicher am Armband anklemmen kann. Bis das Display von der Finger- auf die Stiftbedienung automatisch umschaltet, vergehen allerdings zunächst 1-2 Sekunden, das irritiert. Danach funktioniert die Bedienung aber flüssig – vorausgesetzt, man trifft die Tasten. (Tipp: Im Display-Menü die Schrift auf „Sehr groß“ umstellen). Im Geräte-Menü kann man auch die Sperrbildschirm-Uhr umstellen – immerhin sieben analoge und drei digitale Varianten sind vorinstalliert.

Die Kamera am rechten Gehäuserand lässt James-Bond-Fantasien aufkommen – allerdings benötigt man deutlich Übung, um damit auch etwas aufnehmen zu können. Es ist schon nicht einfach, die Linse überhaupt auf das Objekt zu richten – dass das Sucherbild auf dem Display aber ja nachdem, wie man die Uhr hält, um 90 bis 180Grad verdreht angezeigt wird, macht die Sache nicht besser. Blitz und Autofokus fehlen, deshalb würde ich die Kamerafunktion allenfalls für den äußersten Notfall empfehlen. Schnappschüsse dürften nur bei gutem Licht und mit viel Übung ansprechende Ergebnisse bringen. Ansonsten ist die Bedienung der Uhr über die beiden Hardware-tasten bzw. Swip links (Kontextmenü) bzw. Swipe rechts (zurück) besonders für Android-Nutzer kein Problem.

Telefonieren kann man mit der AW-414 Go natürlich auch: Der (überraschend kräftige) Lautsprecher plus Mikro sitzt unter dem Display. Die Wähltasten sind so groß, dass man sie auch mit den Fingern halbwegs bequem treffen kann, die SMS-App ist mit persönlich allerdings deutlich zu „fitzelig“. Die Tonqualität bei Telefonaten fand ich in Ordnung, im Vergleich zu meinem Nokia Lumia 620 fällt sie allerdings schon deutlich ab. Da die Uhr aber auch bluetooth-tauglich ist, könnte man allerdings auch ein drahtloses Headset nutzen. Das benötigt man übrigens auch, wenn man in der U-Bahn Musik hören will, denn ein Kopfhörerbuchse fiel dem Platzmangel zum Opfer.

Fazit

Die Android-Uhr SimvalleyAW-414 Go ist ein NERD-Traum. In der Realität kann ich mir die Smartwatch nur Schwer als alleiniges Gerät für Vielnutzer vorstellen. Das kleine Display sorgt dafür, dass viele Funktionen doch arg unbequem zu nutzen sind. Als Zweit-Telefon, etwa beim Joggen oder Radfahren, sorgt sie jedoch dafür, dass alle wichtigen Online-Funktionen inklusive sozialer Netzwerke und sogar Youtube (der Begriff „Mäusekino“ sollte in diesem Zusammenhang vielleicht in „Käferkino“ geändert werden) immer dabei sind. Das Gerät wirkt dabei ziemlich stabil und sollte so einiges aushalten – auf eine Baustelle würde ich die Smartwatch (wie alle ähnlichen Geräte) trotzdem nicht mitnehmen.

Tipp: Wer unterwegs wirklich nur telefonieren/SMS schreiben will, findet bei Pearl auch eine Smartwatch ohne App-Funktion für knapp 90 Euro.