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Hands-on Galaxy Note 3 & Gear: Cyborg-Zukunft

Ohne Smartphone geht man nicht mehr aus dem Haus – die schlauen Geräte sind Unterhaltungsmedium, Navi, Mini-Computer und Rettungsanker in einem. Mit einer Smartwatch wird die Symbiose freilich noch enger, denn sie bringt die Möglichkeiten eines modernen Smartphones dorthin, wo man einst eine schnöde Uhr trug: Das Handgelenk wird zur Kommunikationszentrale. Das Samsung Galaxy Note 3 und Gear ist in diesem Bereich so ziemlich das Schickste, das man auf dem europäischen Markt bekommen kann, und deshalb gucke ich mir das hippe Gespann mal an.

Während man bei Apple mit iOS 7 / OSX 10.8 endlich  damit aufgehört hat, in der Software Bezüge zu längst Anachronismen wie etwa altertümlichen Papier-Journalen herzustellen, geht man bie Samsung den genau umgekehrten Weg: Die Verpackungen des Galaxy Note 3 sowie des Galaxy Gear sind mit einem Holzdekor bedruckt, die Rückseite des Note 3 wirkt wie mit Leder bezogen – inklusive (gefakter) Absteppung am Rand.

Galaxy Note 3: Das Moleskine der 2010er Jahre

Die Rückseite des Galaxy Note 3 sieht durch die „Leder“-Oberfläche ausgesprochen edel  und das knapp 8 cm breiten Gerät mit 5,7 Zoll AMOLED-Display (1920 x 1080 Pixel Auflösung) liegt auch in kleinen Händen erstaunlich sicher und bequem.

Einhand-Bedienung ist bei dem (derzeit) unter Android 4.3 laufenden Gerät natürlich nicht möglich, der S-Pen und die ausgefeilten Stiftbedienung entschädigen jedoch dafür. Als „Tablet-Ersatz“ würde ich das Samsung Galaxy Note 3 trotz des geräumigen Bildschirms übrigens nicht sehen – selbst ein iPad Mini ist beinahe 3 x so groß. Mit nur 8,3 mm stärke wirkt da Galaxy Note 3 erstaunlich kompakt, vor allem angesichts des großen Bildschirms – ein besonders kleiner Rand (Bezel) macht es möglich.  In eine normal große Hosen- oder Jackentasche passt es trotzdem nicht mehr wirklich gut.

Mit 2.3 GHz Quad-Core Prozessor, LTE, 13-Megapixel-Hauptkamera und bis zu 64 GB Speicher (plus Micro-SD-Slot) ist das Samsung Galaxy Note 3 so umfassend ausgestattet, wie man es bei einem Gerät, das ohne Vertrag einen Listenpreis von knapp 750 Euro kostet, erwarten darf. Derzeit liegt der Straßenpreis knapp 4 Monate nach der Vorstellung,  allerdings nur noch bei rund 550 Euro. Das gesamte Gerät wirkt sehr solide verarbeitet, der 3.200mAh-Akku übersteht bei normaler Nutzung auch einen XXL-Arbeitstag. Das Android-Betriebssystem, über das Samsung wie bei allen seinen Smartphones seine Touchwiz-UI gelegt hat, finde ich selbst als erfahrener Android-Anwender im Vergleich zu einem Windows 8- oder iOS-Mobilgerät weniger schick und selbsterklärend – aber das ist auch eine Geschmacksfrage.

Samsung fügt den Standard-Google-Apps noch eine ganze Reihe eigener, oft stift-optimierter Anwendungen hinzu – so gibt es etwa S Note, eine Tagebuch-App mit optionaler Evernote-Anbindung und der Möglichkeit, handschriftliche Notizen anzufügen. Auch Nachrichten oder Mails lassen sich auf Wunsch handschriftlich verfassen – die Schriftenerkennung ist dabei erstaunlich präzise. Das Samsung Galaxy Note 3 bietet natürlich alles, was man von anderen modernen Smartphnes kennt: Organizer, Browser,  Mediaplayer und Messenger-Dienste. Bei den vorinstallierten Drittanbieter-Apps (oft schwierig loszuwerden!) hält sich Samung glücklicherweise zurück: Es ist nur eine Handvoll, darunter HRS und Kaufda.

Ach ja, telefonieren kann man mit dem Samsung Galaxy Note 3 natürlich auch: Die Sprachqualität ist gut, allerdings finde ich, man sieht mit einem so großen Gerät am Ohr immer etwas befremdlich aus. Aber das lässt sich ja mit einem Headset bzw. der Smartwatch Galaxy Gear beheben.

Galaxy Gear – die Über-Smartwatch

Der/die/das Galaxy Gear Smartwatch ist derzeit nur mit dem Samsung Galaxy Note 2/3 sowie Galxy S3/4 kompatibel. Dazu muss man den Gear-Manager installieren sowie die in der Ladeschale liegende (!) Uhr per NFC mit dem Samsung-Smartphone verbinden. Findige Bastler haben scheinbar kürzlich einen Weg gefunden, die Verbindung auf mit anderen Android-Smartphones möglich zu machen.

Inwieweit das sinnvoll ist, sei dahingestellt, denn das Gear ist sehr stark in die Oberfläche des Samsung-Androiden eingebunden: So werden Sprachmemos oder Fotos, die mit der 1,9-Megapixele-Kamera am Handgelenk aufgenommen wurden, sofort nahtlos auf das Smartphone übertragen. Nachrichten, Mails und Termine lassen auf Wunsch auf dem Uhre-Display anzeigen, und natürlich kann man mit der Uhr auch wählen, Anrufe annehmen, telefonieren, und den Mediaplayer des angeschlossenen Smartphones steuern. Sogar ein Schrittzähler ist in die Uhr integriert.

Das Design der Uhr ist natürlich Geschmackssache – es gibt sechs Farb-Varianten, passend zur Samsung Galaxy-Note 3-Chassis, die es inzwischen etwa auch in Merlot-Rot, Pink oder sogar Schwarz mit rosegoldenen Akzenten gibt. Mit knapp 80 Gramm ist die Smart Watch nicht eben leicht, aber vollgestopft mit Technik: neben der Kamera, einem 4GB-Flash-Speicher und 1,63-Zoll-Display wurden etwa auch Bewegungssensoren verbaut. Die sorgen dafür, dass sich das Display automatisch anschaltet, wenn man das Handgelenk in die typische „wie spät ist es?“-Haltung bringt.

Die ambitionierten Features bringen jedoch einige Nachteile mit sich: Die Uhr hat etwa keinen Schutz gegen Feuchtigkeit, das Band lässt sich nicht tauschen, und die Akkulaufzeit ist trotz  Niedrigenergie-Bluetooth-Verbindung kein Vergleich zu einer konventionellen Uhr: Spätestens alle zwei Tage muss in der Regel nachgeladen werden, selbst manche Automatik-Uhren bieten da einen größere Gangreserve. Dafür benötigt man dann übrigens die voluminöse Ladeschale. Wenn man auch das Spezial-Netzteil für das Note 3 mit proprietärem Anschluss mitnimmt, hat man deshalb unterwegs doch ganz schön was zu schleppen. Allerdings kann man das Smartphone auch alternativ über Micro-USB laden – das dauert dann nur ggf. länger.

Fazit:

Mit der Combo aus Samsung Galaxy Note 3 und Gear kann man sich tatsächlich ein bisschen wie ein Cyborg der Zukunft fühlen: Das Smartphone ist das ausgelagerte Gehirn, die Uhr die allgegenwärtige Steuerung. Samsung zeigt mit dem Set die erste gut integrierte und durchdachte Lösung, die im Hands-on auch zuverlässig funktionierte – frühere Versionen, wie sie etwa Sony (Ericsson) schon vor Jahren anbot, ließen nämlich in puncto Zuverlässigkeit und Usability doch ganz deutlich zu wünschen übrig.

Beim Galaxy Gear – die immerhin mit einem Straßenpreis von ca. 250 Euro auch nicht gerade ein Schnäppchen ist – wird deutlich, dass das Thema Smart Watch noch ganz am Anfang ist. So kann man beispielsweise fragen, warum man denn eine zusätzliche Kamera am Armband benötigt,  wenn doch das Smartphone zwei exzellente Exemplare mitbringt. Auch ob man mit man mit der Smart Watch unbedingt telefonieren muss, oder ob nicht Vielen künftig ein kleine, feines Exemplar genügen wird, das etwa nur Telefon- und Nachrichtenstatus sowie anstehende Termine anzeigt, und vielleicht noch als Schrittzähler fungiert, muss sich zeigen.

Wer „ganz vorne“ mit dabei sein will, sich ein bisschen wie in einem Scifi-Film fühlen will, und das nötige Budget (immerhin der Gegenwert von einem sehr ordentlichen Laptop) investieren will, dem bietet das Samsung Galaxy Note 3 + Gear definitiv die derzeit ausgereifteste Option auf dem Europäischen Markt.