Inhaltverzeichnis

Hands-on Moto X: Bad Timing, Good Phone

Motorola kann einem wirklich ein bisschen leid tun: Nach Jahren des Dahin-Dümpelns wurde der Handy-Pionier 2012 von Google gekauft. „A Google Company“ steht stolz auf dem Start-Screen des Moto X, doch damit ist es schon wieder vorbei: Wenn die Wettbewerbshüter nicht noch in letzter Minute Streß machen, geht Motorola, und damit das als Google-Leistungsschau gehypte Moto X  demnächst an Lenovo. Wie es scheint, war der Suchmaschinen-Riese doch nur an Motorolas Patenten interessiert. Das ist wirklich schade, denn das Moto X mit „Plein Android“-Oberfläche (und ein paar Motorola-Goodies) hätte es wirklich verdient, auch in Europa zum Renner zu werden.

Wir lernen uns kennen

Von der edlen Verpackung bis zum Netzteil, mit dem man sogar noch ein weiteres Gerät aufladen kann – man merkt, dass das Moto X mit derselben Sorgfalt konzipiert wurde wie ein iPhone. Es gibt ein par Goodies, die noch weit über das, was ein Phone mitbringt, hinaus gehen, doch dazu später mehr. Zunächst ist das Moto X schön geschnittener und sehr gut in der Hand liegender4,7-Zöller mit AMOLED-Display und 1.280 x 720 Pixeln Auflösung. Die Rückseite ist leicht gummiert, so dass man das Teil auch sicher im Griff hat. Der Akku ist leider fest verbaut, es gibt auch keinen SD-Kartenplatz. Das für das Hands-on vorliegende Modell ist mit 16 GB Speicher ausgestattet, von denen dem Benutzer knapp 12 zur Verfügung stehen. Die Rückkamera bietet10 Megapixel, sie kann über einen Shortcut auf dem Lockscreen oder durch zweimaliges beherztes Drehen des Handgelenks aktiviert werden (wenn dies in der Kamera-App vorher eingestellt wurde).

Das Moto X funktioniert nur mit der außerhalb des Appleverse hierzulande nicht eben gebräuchlichen Nano SIM, was zumindest für solche Käufer ausgesprochen ärgerlich ist, die das Gerät ohne Vertrag gekauft haben: Sie müssen nämlich ihre normale SIM umtauschen. Gerade bei Prepaid-SIMs kann das  durchaus kostspielig werden – Vodafone wollte bei meiner CallYa-SIM etwa 25 (!) Euro plus Versand dafür. Deshalb musste das Moto X in diesem Hands-on leider mit dem heimischen W-LAN vorlieb nehmen.

Ein paar Goodies

Natürlich kann das Moto X alles, was man von einem  modernen Smartphone erwartet – dank Qualcomm Snapdragon S4 Pro-Chipsatz bringt es durchaus auch Leistungsreserven mit. Der Akku ist mit 2.200 mAh nicht ganz so kräftig, allerdings hat Motorola einige Stromspar-Optionen ausgeschöpft, weshalb das Moto X recht sparsam mit dem wertvollen Saft umzugehen scheint – allerdings kann ich mich hier nur auf mein Gefühl verlassen, denn ich konnte zum Testen ja keine SIM einlegen, und bekanntlich ist der Mobilfunk-Uplink der größte Stromfresser.

Google hat in einem extra Ordner auf dem Startscreen alle seine Dienste untergebracht, zudem wurde Google Now mit einer ausgefeilten Sprachsteuerung gekoppelt. Nachdem sich das Phone über den Übungssatz „Ok, Google Now“ an die eigene Stimme gewöhnt hat, gehorcht es auch, wenn das Display ausgeschaltete ist und trägt etwa Termine ein, ruft (im Adressbuch abgelegte) Kontakte an oder sucht im Internet. An Siri, die etwa auf die Frage „Wie haben die Bayern gespielt“ mit einem ganzen Satz (und richtig) antwortet, kommen die angezeigten Suchergebnisse allerdings nicht heran. Dafür bietet das Moto X über „Motorola Assist“ die Möglichkeit, das Gerät so zu konfigurieren, dass es etwa Autofahrten oder (im Google-Kalender eingetragene!) Besprechungen selbsttätig registriert und entsprechende Profile aktiviert. Super-praktisch!

Wunderschön ist auch der Motorola Spotlight Player, ein Videoplayer, der auf die Bewegung des Smartphones reagiert, so dass man dem Protagonisten – oder anderen Figuren – im Clip folgen kann. Das vorinstallierte „Windy Day“  (über die Benachrichtigungsleiste oder als Widget zu erreichen) mit der kleinen Maus und dem Hut sollte man sich nicht entgehen lassen.

Fazit

Wer sich nun inspiriert fühlt  zu wechseln, dem bietet Motorola auch auf dem Moto X das hauseigene Migrationstool. Mit knapp 350 Euro Straßenpreis ist das Moto X  als eines der ersten unter Kitkat (Android 4.4) laufende Gerät mit ausgefeilter Sprach- und Gestensteuerung mit Sicherheit eines der „NERDIGSTEN“ Geräte am Mark. Es bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, wirkt sehr sorgfältig gebaut und liegt gut in der Hand.

Nachteilig sind sicherlich der nicht austauschbare Akku, der fehlende Kartensteckplatz – und das extrem ungünstige Timing. Bedingt durch den Motorola-Verkauf ist es durchaus möglich, dass sich das Moto X in die Reihe der vielen „verlassenen“ (d.h. nie mit einem Hersteller-Update unterstützten) Android-Geräte einfügt. Wen das nicht stört, der erhält mit dem Moto X ein schickes Phone, das ein ganzes Stück schlauer ist als andere Androiden.