Hands-on Secu4Bags: Vergiss mich nicht

Als ich kürzlich in der U-Bahn-Station ausstieg, von der der Flughafenbus abfährt, lehnte da auf der Wartebank ein teuer aussehender Messenger Bag – und niemand zu sehen. Während ich noch darüber nachdenke, ob man in diesem Falle die Polizei rufen kann – schließlich war ich selbst auf dem Weg zum Airport und konnte die Tasche deshalb weder mitnehmen noch auf dem Fundbüro abgeben – wurde ich vom offensichtlichen Besitzer der fraglichen Tasche beinahe umgemäht. Dem war inzwischen der Verlust seiner Wertsachen zwischen drei Koffern wohl aufgefallen. Dem Ausdruck nach zu urteilen, hatte er sich den Beginn seines Urlaubs auch ein bisschen entspannter vorgestellt. Da auch ich einigermaßen viel reise, kam ich ins Grübeln: Ehrlich gesagt könnte mir ähnliches durchaus auch passieren. Am Flughafen würde ein unbeaufsichtigte Tasche im dümmsten Falle gleich noch die wahrscheinlich kostenpflichtige Evakuierung des Terminals auslösen. Ich sann auch Abhilfe – und fand sie in Secu4Bags, einer vom Schweizer Unternehmen Secu4 angebotenen Lösung.

Für knapp 70 Euro erwirbt man ein kreditkartengroßes und etwa drei Kreditkarten dickes Stück Plastik, das sich via Micro-USB-Kabel aufladen lässt. Das ist den Sender, mit dem man Geldbeutel oder Gepäckstück sichern kann, und der einen bis zu 100 db lauten Warnton von sich geben kann. Das Gegenstück wird auf dem Gegenstand installiert, den heute die meisten Menschen noch vor dem Hausschlüssel mitnehmen, wenn sie die Wohnung verlassen: Richtig, dem Handy. In meinem Falle ist das derzeit ein (offiziell noch nicht unterstütztes!) HTC Salsa Smartphone unter Android 2.3.3. mit HTC Sense 2.1. Es gibt aber auch Apps für Symbian-, Blackberry- und Windows-Mobile-Smartphones und natürlich das iPhone. Nach dem Herunterladen und installieren der kostenlosen App muss man den Sender nur noch anmachen und mit dem Gerät koppeln. Das klappt bei eröffneter Bluetooth-Verbindung nach der Eingabe des Pairing-Codes „0000“ ohne Probleme, sogar im Zug. Ich beschloss nämlich, Secu4Bags auf einer Reise mit der DB nach Stuttgart zu testen.

Die grafisch recht ansprechende App zeigt dann mit einem dicken grünen Logo an, dass der Schutz aktiviert ist. In Klein wird das Logo auch in der Statusleiste des Android-Phones abgelegt, so dass man die App natürlich nicht im Vordergrund belassen muss. Als Default-Einstellung ist der Alarm auf mittlere Distanz (5 -10 Meter) und die Verzögerung auf fünf Sekunden eingestellt. Verlässt der Sender diese Distanz, wird eine akustischer Alarm von 80 dB ausgelöst. Den aktivere ich zum Test schnell und stelle nur Handyvibration ein, eine Einstellung den das im Internet herunter zu ladende Handbuch für „Überwachungseinsätze“ (?!?) vorschlägt. In der App kann man Distanz, Verzögerung, Vibration und Alarmton des Senders jeweils in mehreren Stufen verändern, allerdings funktioniert das nur beim Start der App. Will man danach etwas verändern, muss man das ganze System ausschalten, was glücklicherweise recht einfach funktioniert. Hier kann man auch den Schutz wieder aufheben, was sich beispielsweise anbietet, wenn man das geschützte Gepäckstück im Schließfach abgibt. Das kleine Programm zeigt auch den Akkustatus des Senders an, was wichtig ist, weil mit niedrigem Energielevel laut Handbuch die Gefahr von Fehlalarmen wächst. Uuups! Während meiner Tagesreise keine merkliche Veränderung des Senderakkus festzustellen war, kann, wer länger unterwegs ist, den Sender mit dem Ladekabel des Smartphones aufladen (Jedenfalls wenn er kein iPhone hat. Sondern das Gerät eines Herstellers, der die europäische Richtlinie zur Standardisierung der Ladegeräte nicht für Kinderkram hält, der „Kultgeräte“ natürlich nicht zu kümmern braucht.)

Das Handbuch bittet auch darum, Sender und Smartphone nicht näher als 20 Zentimeter zusammenzubringen. Mit Recht, wie ich schnell feststelle, denn das führte bei meinem HTC Salsa zu einem Absturz der Software (immerhin ohne Fehlalarm, Puh!). Das bleibt allerdings das einzige mal, auch ansonsten erweist sich die Bluetooth-Verbindung als eher gutmütig und vor allem weniger stromhungrig als befürchtet: der (allerdings nagelneue und komplett aufgeladene) Handy-Akku scheint allenfalls minimal stärker belastet zu werden als beim Normalbetrieb. Gerade auf Reisen ein ziemlich wichtiger Punkt, findet ich.

Fazit

Für Schussel oder Leute, die in Gegenden reisen, wo öfter mal was wegkommt, ist Secu4Bags eine einigermaßen kostengünstige und vor allem durchdachte Lösung, um Taschen und Koffer bei sich zu behalten. Wer nicht andauernd ein Smartphone in der Jackentasche tragen will, hätte auch die Möglichkeit, die Software auf einem aktuellen iPod Touch zu installieren. Für mich kommt das System als Standard zum Reisegepäck – immerhin trage ich in der Laptoptasche inklusive Zweithandy und Tablet schnell man einen kleineren Netto-Monatslohn mit mir herum.

Habe ich den Alarm mal ausgelöst? Ja, zuhause. Sicherheitshalber. Hat gut funktioniert – in der höchsten Tonstufe de Senders ist allerdings fast der Putz von der Wand gebröckelt. Sollte auch Diebe abschrecken (und ggf. die Sicherheitskräfte alarmieren, aber das ist wieder eine ganz andere Sache…)