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Album-Review: Dogs Welcome – Rising To The Challenge

Rock für Erwachsene ist immer noch selten – zumindest dann, wenn man darunter nicht die 130. Live-Platte der Rolling Stones oder kulturförderungs-angehauchtes Jazzrock-Gebrabbel verstehen will. Auf “Rising To The Challenge”, des neuste Album von Dogs Welcome, musste man lange warten, seit Anfang 2008, um genau zu sein. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Mitglieder Peter Scheerer (g, v, synthie), Peter „Skillet“ Kuroczik (b, devices) und Daniele Chiantese zwar absolute Profis sind, ihr Geld aber nicht mit dieser von Scheerer Ende der Neunziger als Session-Band gegründeten Formation verdienen. Was einerseits natürlich schade ist, andererseits dafür sorgt, dass man sich keinen Mode- und Labelzwängen unterwerfen muss. So kann man intelligente, spannende Musik für Menschen machen, die ihre musikalische Sozialisation in den späten Siebzigern bis Neunzigern erhalten haben – aber keine platte Retro-Mucke, sondern „Brainfood“ suchen.

Das findet man auf „Rising To The Challenge“ reichlich – besonders schön etwa auf „Enlightened“, einem vielschichtigen Stück Post/Prog Rock. Unter der eingängigen Oberfläche blitzen im Laufe des Stücks immer neue Fragmente von Angst, Missgunst und falschem Schein hervor, bis nach dem langen Schlussakkord ein Gefühl von „Abstrakter Bedrohung“ bleibt.

Bei „Stranger“(eine Originalkomposition, nicht der 80s-Klassiker von Ronnie Milsap) schlängelt sich aus dem Rock-Fundament auf einmal feiner Ska-Offbeat an die Oberfläche, was dem Stück die perlende Leichtigkeit eines Schlucks ausgesuchten Champagners verpasst, während, um bei den Essens-Analogien zu bleiben, „Someone Said“ ein bisschen sehr mächtig wirkt, ein bisschen wie ein mit Butter, Maronen und Kartoffeln gefüllter Truthahn.

Beim Titeltrack erweist sich der mehrstimmige Refrain als Ohrwurm, und hier macht sich tatsächlich eine bisschen Retro-Flair breit, „Rising To The Challenge“ würde sich auch in einem Rock-DJ-Set gut machen, bei dem nicht nur alte Kamellen a la „Turn Up The Radio“ abgenudelt werden. (Gibt es dass noch irgendwo? Sachdienliche Hinweise für den süddeutschen Raum gerne an die Verfasserin…) Der Track könnte neben dem ganz leicht psychedelischen „A Dream Of Falling“, einen Platz bei „The Thought That Counts“ (einem Comsat-Angels Cover der Band von 2001) ergattern: das Stück habe ich seit zehn Jahren auf jedes neue Device kopiert, das ich mit Musik gefüllt habe …

Im gesamten Album findet man immer wieder Passagen, die man beinahe zu kennen glaubt. Wie leuchtende Kois in einem dunklen Teich blitzen sie auf – Reminiszenzen an Pink Floyd, Rush, CSNY, Fisher Z und viele andre Rockgrößen, aber bevor man den Akkord zuordnen kann, ist er bereits wieder im Meer der vielschichtigen, stellenweise deutlich ins postrockige zielenden Melodielinien verschwunden. „Rising To The Challenge“ ist keine Sammlung von Pseudo-Herausforderungen, wie die „Musiker-Alben“ der Neunziger. Die musste man ein Dutzend mal hören, bevor man sich einigermaßen an sie gewöhnt und die nagende Stimme im Herz-Hintergrund zum Schweigen gebracht hatte, dass es sich ganz ein einfach um ein übles Stück Geschwurbel handelt, auch wenn alle Musikzeitschriften die „Komplexität“ des Albums lobten. Zum Mitsingen animieren die Tracks allerdings auch nicht, noch nicht mal das gitarrenorientierte, wavige „Safe In The Middle“, zusammen mit „Grace Of Your Touch“ das wohl eingängigste Stück des Albums. Und das ist gut so, denn „Rising To The Challenge“ ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig. Einen echten Kritikpunkt allerdings gibt es: Beim nächsten Mal bitte Lyrics-Sheet beilegen – die Texte sind viel zu interessant, um sie nicht nachlesen zu können (auf der Webseite findet man sic allerdings komplett).

Dogs Welcome: Rising To The Challenge, als CD oder Download über CD Baby oder direkt über die Band-Webseite.