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Hands-on Asus Eee Pad Slider SL101: Wolfgang, schau mal, mit Tastatur!

Tablets sind besonders im Business-Umfeld „der letze Schrei“: kaum eine Messe oder Präsentation ohne iPad & Co. Wer allerdings mit einem Tablet ernsthaft arbeiten, also beispielsweise einen Text oder eine längere Mail verfassen will, stellt schnell fest, dass das über die On-Screen-Tastatur doch reichlich mühsam ist. Der Asus Eee Pad Slider SL101 will das ändern: das Tablet unter Android 3.2 Honeycomb bringt eine ausziehbare Tastatur mit. Bringt das was im Arbeitsalltag?

Wer beruflich viel unterwegs ist, weiß ein flaches und leichtes Notebook zu schätzen. Allerdings sind solche Flitzeflundern wie das Asus Zenbook oder das Macbook Air nicht eben günstig – und als Zweitgerät im Grunde völlig „übermotorisiert“ für die allermeisten Anwender. Ich jedenfalls sehe am Flughafen oder im Zug zwar stapelweise Reisende, die Mailen, Texte verfassen, Musik hören oder Videos sehen. Aber ich habe noch nie, nie, nie jemanden getroffen, der am Gate (oder auch im Hotelzimmer) regelmäßig HD-Videos sendefertig schneidet. Solche Jobs gibt es bestimmt auch, sie sind aber in der Minderheit – und deshalb kein Grund, leichte Reisegeräte mit Quadrupel-Core i11-Prozessoren auszurüsten. Weshalb es ja seit einigen Jahren auch Netbooks gibt, die zwar die Bedürfnisse von 99,9% aller Reisenden prächtig decken, mit denen sich aber schon kein Vertriebler, der etwas auf sich hält je in der Öffentlichkeit erwischen ließe (und von Geschäftsführer wollen wir gar nicht erst sprechen …) Bei einem Tablet ist das aber ganz was anderes – und hier könnte die Chance des Asus Eee Pad Slider SL101 liegen

Wir lernen uns kennen

Der (oder das?) Slider wirkt auf der Rückseite wie ein edles und recht gut verarbeitetes Netbook, einzig die Fünf-Megapixel-Kamera stört das Bild. Von vorne unterscheidet sich der 10,1-Zoll-Bildschirm mit 1.280 x 800 Pixeln Auflösung im 16:10-Verhältnis nicht sehr von anderen aktuellen Tablets. Mit knappp 2 cm Dicke und fast einem Kilo Gewicht ist es allerdings fast ein Drittel massiver als selbst das iPad 1 – wer das Gerät als E-Book in der Hand halten will, sollte für längeres Schmökern trainierte Armmuskeln mitbringen. Der Grund erschließt sich, wenn man an der zarten Wölbung des Rahmen, gleich hinter der 0,7-Megapixel-Frontkamera und auf der gegenüberliegenden langen Rahmenseite ein bisschen drückt: So enthüllt man eine vollständige Tastatur, zwar ohne Ziffernblock, aber (in der richtigen Lokalisierung) mit QWERTZ-Layout und deutschen Sonderzeichen. Das mir zur Verfügung stehende Gerät wies allerdings eine französische AZERTY-Tastatur auf. Die Neigung, die der Bildschirm dadurch erhält ist sehr angenehm – aber nicht verstellbar. Die Batterielaufzeit wird von Asus mit bis zu acht Stunden angegeben, in verschiedenen Tests kam man etwa beim Web-Surfen auf knapp sechs Stunden. Gesurft kann übrigens nur per W-LAN werden, derzeit gibt es nur eine Variante mit 32 GB Flash-Arbeitsspeicher, aber ohne GSM-Modul.

Schnapp, die Wette gilt

Im Vergleich zu vielen anderen Tablets hat der/das Slider nur wenige, dafür nützliche Apps vorinstalliert: Allen voran das Polaris Office, das mit allen üblichen Office-Formaten prima zu recht kam, den Amazon Kindle-Reader, die Buch- und Zeitschriften-App My Library und Soundrekorder, ein Diktiergerät. Über den Press Reader kann man deutsche Tageszeitungen wie die Abendzeitung München und die Rheinische Post abonnieren, die ersten Exemplare gibt es kostenlos. Für ein Jahr kostenlos ist auch der Asus Web Storage Mycloud, auf dem man Dokumente ablegen, Videos und Musik entdecken sowie – wenn die entsprechende Software auf dem Hauptrechner installiert wurde – sogar auf den Desktop des Macs oder PCs zugreifen kann. Nach Ablauf der Frist muss man sich mit 2GB Basic-Account zufrieden geben, oder auf die Gold- bzw. Gold-Plus-Variante zurückgreifen – das schlägt dann allerdings mit bis zu 50 US-$ pro Jahr zu Buche. Alternativ lässt sich das Gerät per App natürlich auch an die Vielzahl von anderen Webspeicher-Anwendungen von Evernote und Dropbox bis Wuala anschließen, und wie alle aktuellen Androiden nicht nur mit einem Google-Account, sondern unter Konten & Synchronisation → Hinzufügen → Geschäftlich auch jedem Exchange-Server synchronisieren. Besonders praktisch ist die – bei Androiden bislang extrem seltene – Möglichkeit einen PC-formatierten USB 2.0-Stick zu mounten, was im Test auch problemlos gelang. Daneben verfügt der/das Slider noch über einen Micro-SD-Kartenschacht sowie einen HDMI-Ausgang. Für Unterhaltung sorgt ein Mediaplayer, der dem Tablett ganz angenehmen Sound entlockt, mit üblichen Formaten wie MP3, WMA und AAC traten keine Probleme auf, wer Videos etwa im DivX-Format abspielen will, muss sich allerdings im Android-Markt erst noch den passenden Player suchen. Dank Flash-Unterstützung können Streaming-Seiten angezeigt werden, die aber gelegentlich, je nach Quelle und Format, etwas ruckelten.

Fazit

Der/das Slider ist für Reisende ein prima Net/Notebook-Ersatz, der dank Android-Oberfläche schnell hochfährt, gute Akkulaufzeiten mitbringt und praktisch alle wichtigen Funktionen unterwegs abdeckt. Wenn das Adobe CS Publishing Suite App auf den Markt kommt, wird sogar einfache Bild- und Medienverarbeitung möglich. Das Gerät wirkt stabil, die Bedienung ist auch ohne Android-Kenntnisse einfach, und an die kombinierte Touchscreen/Tastatur-Bedienung gewöhnt man sich fix. Das Gewicht ist für ein Tablet relativ hoch, für ein Note/Netbook dagegen sehr niedrig, besonders wenn man die Akkulaufzeit in Betracht zieht. Lediglich das fehlende GSM-Modul könnte für manche ein Hinderungsgrund sein – wer allerdings ein aktuelles Android-Phone (und den entsprechenden Datenplan) sein Eigen nennt, kann das Problem mit seinem Smartphone als privaten Hotspot schnell lösen.