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Hands-on HTC Radar: Return of Cupertino

Geh mir weg, ein Dosenhandy – bekam ich von meiner (stark iPhone-geprägten) Umgebung erzählt, als ich mit dem neuen HTC Radar als Testgerät in der Tasche auftauchte. Das HTC Radar hat allerdings mit Windows, so wie man es auf dem Desktop-Rechner kennt, kaum etwas zu tun. Trotzdem hat sich Windows Phone 7, auf dem Radar ist bereits das Mango-Update 7.5 installiert, bisher noch nicht besonders weit durchgesetzt. Ich gucke mir den „kleinsten“ Mitbewerber der „großen“ Smartphone Betriebssysteme – und natürlich das Handy auf dem es installiert ist – mal genauer an.

Wir lernen uns kennen

Mit seiner abgerundeten Form und der braun-metallicfarbenen Oberfläche erinnert das mir vorliegende HTC Radar von vorn ein bisschen an des Desire Classic. Es gibt allerdings auch eine weiße Variante. Hinten ist aber schon die neuen HTC-Rückseite verbaut, und das bedeutet: die SIM wird nach Entfernen der Abdeckung unten eingeschoben (sehr praktisch), der Akku ist allerdings nicht mehr austauschbar. Mit einem 3,8-Zoll-Display mit 480 x 800 Pixeln Auflösung,1 Ghz Prozessor mit 512 MB RAM und 8 GB Speicher ist das Gerät ordentlich (aber nicht üppig) ausgestattet, es verfügt über eine Fünf-Megapixel-Kamera mit LED-Blitzlicht sowie eine VGA-Frontkamera. Neben Standbildern können auch HD (720p)-Videos aufgezeichnet werden. Ein SD-Kartenleser fehlt allerdings, was sowohl in punkto Speichererweiterung als auch für das einfache Übertragen von Multimediadaten ungünstig ist. Das Unibody-Gehäuse liegt gut in der Hand, mit 138 Gramm wirkt das Gerät auch nicht zu schwer, sondern solide und vor allem: Gut verarbeitet. Es verfügt über keine „echten“ Tasten, sondern nur drei Sensor-Bereiche unter dem Bildschirm für „Back“, „Home“ und „Suche“. Auf der „gekachelten“ Windows 7.5- Oberfläche findet man sich als Smartphone-Nutzer trotzdem ganz einfach zurecht, denn man gibt es  alles, was man von anderen Systemen kennt – nur vielleicht etwas aufgeräumter: Kontakte, Mail, Kalender, Maps. Für Einstellungen oder das Installieren von Mail- und anderen Kontos schiebt man den Startbildschirm einfach nach links, die Einstellungen wirken dann nicht übermäßig viel anders als bei aktuellen Android-Versionen. Gängige E-Mail-Anbieter wie Google und Yahoo werden unterstützt, daneben kann man auch firmeneigene Exchange-Server sowie den Microsoft-Cloud-Service für Firmenkunden, Office 365, mit ein paar Klicks einbinden. Twitter- und Facebook-Account sind ebefalls mit ein paar Eingaben zu aktivieren. An die Stelle des Google-Kontos oder der Apple-ID tritt bei Windows Phone 7.5 die Windows-Live-ID.

Zune-Software: Neugierige Zentrale für alles

Was bei Android das Google-Konto und bei Apple die Apple-ID , ist bei Microsoft analog Windows-Live-ID: Zugang zum kostenlosen E-Mail-Konto inklusive Organizer und Log-in für den Musik- und App-Store. Mit dieser kann man das Gerät überhaupt erst in Betrieb nehmen, kostenlose Apps und Gratis-Songs herunterladen, aber natürlich auch einkaufen – allerdings nur, wenn man eine Kreditkartennummer hinterlegt. Mir jedenfalls ist es zwar gelungen, Microsoft-Points auf Zune.net auf mein Konto zu laden – aber leider nicht, diese auch auf dem Mobiltelefon zu verwenden, hier bestand das System sehr hartnäckig auf der Eingabe einer Bezahlkarte. Übrigens muss man zum Einlösen von Microsoft Points auch eine Adresse plus Telefonnummer (!) zwingend eingeben, finde ich bei Prepaid-Leistungen eher ärgerlich.

Die Auswahl an auf dem Marketplace verfügbaren Apps hat sich inzwischen etwas verbessert – sowohl der Amazon Kindle Reader, Evernote wie auch der DB Navigator sind inzwischen vorhanden. Direkt vom Dienst selbst bereitgestellte Apps etwa für Dropbox, Hootsuite und Remember The Milk fehlen jedoch nach wie vor. Auch eine Anwendung wie Doubletwist, die in iTunes (Mac) erstellte Playlists und Tracks drahtlos auf Android verfügbar macht, sucht man vergeblich – der Zaun zwischen der Apple und Microsoft-Welt ist immer noch ziemlich hoch.

Dabei sind die Parallelen deutlich: Statt iTunes ist die Zune-Software die iTunes vergleichbare Kommunikationszentrale. Hier wird per USB-Kabel oder über das heimischen W-LAN Käufe synchronisiert und System-Updates aufgespielt. Für einen Android-Nutzer mag das komisch klingen, aber OTA (OverTheAir) Updates der Systemsoftware oder der Apps sind nicht vorgesehen. Mac-Nutzer müssen auf die Zune-Software übrigens verzichten, für sie gibt es aber den Windows Phone 7 Connector, der dann sogar Musik und Videos aus der iPhone-Bibliothek synchronisieren soll. Mir ist es unter OSX Lion allerdings nicht gelungen, das HTC Radar mit dem iMac zu verbinden. Ich schreibe dies übrigens der Tatsache zu, dass ich ein Vorserienmodell vorliegen hatte – denn selbst unser Vaio mit Windowes 7 Professional und den neusten Updates weigerte sich nämlich ebefalls beharrlich, das Radar zu erkennen – schade, ich hätte gerne noch erfahren, welche Erfahrung Desktop und Smartphone unter Windows 7.5 im Zusammenspiel bieten, und wie das HTC Radar Videos aus Zune.net abspielt. Hier findet man übrigens ein paar Fotos von HTC-Radar-Screens. Andere Anwendungen funktionierten dagegen perfekt, obwohl ich das nicht unbedingt erwartet hatte: Über „Verbundene Medien“ konnte ich auf dem HTC Radar heruntergeladene Stücke auf unserem Sonos W-LAN Multiraumsystem abschicken – und zwar, ohne dass dafür ein App installiert werden musste.

Fazit

Ich mochte das HTC Radar – obwohl ich ein Android Fan beinahe der ersten Stunde bin – gerne: Die Mango-Oberfläche wirkt sauber, schön designt und übersichtlich, das Gerät selbst wertig und durchdacht. Angesichts der strikten Weigerung der Zune-Software, das Gerät zu erkennen, konnte ich nur ein paar kostenlose Tracks herunterladen, da haben mir der Player und Lautsprecher sehr gut gefallen. Die fehlende SD-Karte ist aber ein Problem, den man kann weder Bilder noch Tracks übertragen, wenn Zune das nicht will. Auch System-Updates fallen dann flach. Trotzdem habe ich das HTC Radar mit leisem Bedauern resettet (Info → Telefon zurücksetzen). Wer ein simples, gut designtes Smartphone für Basisfunktionen benötigt, ist mit dem HTC Radar für rund 350 Euro gut beraten. App-Fans und Leute, die mit ihrem Smartphone alles mögliche anstellen wollen, sind mit dem iPhone oder einem Androiden besser bedient, ebenso alle, die große Mediensammlungen aufs Smartphone transferieren wollen.