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Hands-on Samsung Galaxy Note: Der Notizzettel-Androide

Seit das Samsung Galaxy GF-N7000 Note auf der IFA Berlin vorgestellt wurde, gilt das Gerät als der „heißeste Scheiß“ unter den Android-Smartphones: Riesiger 5,3-Zoll-Bildschirm, 1,4-GHz-Dual-Core-Prozessor, Stylus mit Handschriftenerkennung. Ich knöpfe mir das „Zwitterwesen“, mit dem Samsung eine neue Kategorie zwischen Tablet und Smartphone definieren will, mal vor.

„Wenn man damit telefoniert, sieht man doch wie Idiot aus Youtube aus, der sich ein Bügeleisen ans Ohr hält“, war meine spontane Reaktion, als ich zum ersten Mal vom Galaxy Note hörte, „außerdem liegt die Riesengröße doch total schlecht in der Hand.“ Als das Leihgerät nun endlich vor mir liegt,wird schnell klar: ich habe mich in beiden Einschätzungen getäuscht.

Wir lernen uns kennen

Trotz seiner „durchaus eindrücklichen Größe“ (würde unser Schweizer Kumpel sagen) von ca. 15 x 8 cm wirkt es durch seine im Verhältnis geringen Tiefe von knapp einem Zentimeter extrem zierlich. Deshalb kann ich es trotz keiner Frauenhände auch ganz prima greifen, interessanterweise liegt es mir, rein subjektiv, viel besser in der Hand als das deutlich schmalere iPhone 4. Was an durchaus an dem abgerundeten Metallrahmen und der leicht strukturierten Rückseite liegen kann. Mit nicht einmal 180 Gramm Gewicht wirkt es zudem erstaunlich leicht und nimmt irgendwie gefühlt kaum mehr „Platz weg“ als das wirklich zierliche HTC Wildfire S, mit dem ich sonst unterwegs bin. Der Bildschirm des Galaxy wirkt dagegen im Verhältnis wirklich riesig, was an seinem schmalen Rahmen liegt – zu einem Siebenzöller-Tablet fehlt gar nicht mehr so viel. Gewichtsmäßig liegt das Galaxy Note allerdings rund bei einem Drittel aktueller 7-Zoll-Tablets. Mit seinem 1,4 GHz-Dual-Core Prozessor, 1 GB RAM und 16 GB Speicher (davon sind bei meinem Modelle rund 11 für den Benutzer verfügbar) und einem 2.500 mA/h-Akku erreicht es allerdings beinahe die Leistungsdaten eines aktuellen Tablets. Die Acht-Megapixel-Kamera mit Fotoleuchte und 1080p-Video überrundet mein HTC Flyer Tablet von den Spezifikationen her deutlich. Im Gegensatz zu diesem (und zu den allermeisten aktuellen Smartphones nicht nur von HTC) ist der Akku auswechselbar. Für mich, die oft unterwegs ist und ungern mit einem halben Dutzend Netzteilen herumrennt, ist das ein nahezu unschlagbarere Vorteil: Einfach geladenen Ersatzakku einlegen, und selbst 18-Stunden-Tage sind kein Problem mehr. Obwohl der unter Umständen weniger oft nötig sein könnte als gedacht: Trotz Einrichten, Downloads, schlechten Netz im Zug und viel Herumspielens hielt das um frisch in Betrieb genommene Gerät rund 24 Stunden durch, davon knapp 6 Stunden im reinen Stand-by, bei normaler Benutzung waren sogar auch mal 48 Stunden (an ruhigen Tagen) drin.

Hallo Galaxy Note!

Das hervorstechendste Merkmal des Galaxy Note, den Stift S-Pen, muss ich wie die Menütasten erst mal suchen: Während sich letztere nur zeigen, wenn man die Fläche unter dem Bildschirm berührt, sitzt erster gut verpackt an der Geräterückseite. Er ist angenehm lang und auch einigermaßen dick, so dass er sich gut in die Hand nehmen lässt. Es handelt sich um ein rein kapazitives Modell, so dass, anders als beim Flyer, das auch über eine Stiftbedienung verfügt, keine Batterie benötigt wird. Was nicht der einzige Vorteil ist, den das Galaxy Note in diesem Bereich dem Flyer als einem der wenigen anderen Android-Device mit Stiftbedienung voraus hat. Neben der sicheren Verwahrung, die beim Flyer komplett fehlt (und bei einem rund 50 Euro teuren Stift Albtraumpotenzial hat), hat das Galaxy Note dem Flyer auch eine flüssigere Reaktion und bessere „Griffigkeit“ des Bildschirms voraus. Jedenfalls gelang es mir auf Anhieb, deutlich schöner zu schreiben, als das mir nach einem halben Jahr mit Flyer je geglückt wäre. Was es der eingebauten Schrifterkennung deutliche erleichterte, mein Gekrakel in Text umzuwandeln – die App lag erstaunlich oft richtig, während die über Evernote online mögliche Texterkennung beim Flyer bei mir stets nur unbrauchbare Ergebnisse brachte. Was ich angesichts meiner Krakelschrift bislang verzeihlich fand, bis ich eben mit dem Galaxy Note feststellte, dass es auch anders geht. Die vorinstallierte S-Memo-App lässt sich recht einfach und intuitiv nutzen, die Notizen werden auf dem Gerät gespeichert und können aus der App sofort per Mail, MMS, Bluetooth-Sharing, W-LAN oder, so installiert, auch per Evernote verteilt werden. Neben Handschriftlichem sind auch Zeichnungen möglich, der Stift bietet hier eine Reihen von Einstellmöglichkeiten, obwohl das Ziel hier naturgemäß eher Skizzen als digitale Kunstwerke sein dürften.

Make You Mine

Das Galaxy Note läuft unter Android 2.3, die neuste Version Ice Cream Sandwich soll das Gerät jedoch bis Mitte 1012 erhalten. Weil auch meinen beiden privaten Geräte mit Honeycomb laufen, ging das Einrichten wie im Flug: Google-Account und Exchange-Server einrichten, Remember The Milk anschließen, fertig. Letzteres wäre auf dem Samsung-Gerät nicht unbedingt notwendig, da in der Kalender App eine synchronisationsfähige Aufgaben-Verwaltung integriert ist. Die Samsung-eigene Benutzeroberfläche gefällt mit als HTC-Nutzer allerdings längst nicht so gut: Zwar ist Design meinetwegen auch Geschmackssache, aber mit fehlt das typische HTC-Wetter-Uhren Widget, und auch die Integration sozialer Netzwerke finde ich bei HTC Sense besser gelöst. Schön sind dagegen das bereits vorinstallierte Tagebuch sowie den Foto-Editor, die Tastatur und – endlich – die standardmäßig angezeigten Kalenderwochen.

Fazit

Für alle Smartphone-Nutzer, die unterwegs viele Apps nutzen, ist das Galaxy Note eine ernsthafte Alternative – sowohl zum Smartphone wie zum Sieben-Zoll-Tablet. Die Stiftbedienung und Schrifterkennung funktionierte gut, allerdings dürfte die Anwendung eher für kurze Notizen denn ganze Vorlesungen geeignet sein. Designmäßig liegt die Oberfläche in einer ähnlichen Liga wie LG, an HTC Sense reicht sie meines Erachtens nicht heran – allerdings scheint dafür die technische Ausführung stellenweise besser zu sein, so kann man bei der Exchange-Anbindung beispielsweise mehr einstellen. Das Gerät wirkt jedenfalls wertig und für sein Größe erstaunlich zierlich – nicht umsonst gilt e als eine neuer Star am Android-Himmel. Derzeit hat es freilich noch einen Nachteil: bedingt durch die ungewöhnliche Größe gibt es kaum Zubehör noch wie Taschen, und auch die Widgets wichtiger Apps wirken auf dem Screen manchnal etwas verloren.