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Hands-on Pocketbook A10: Viel Tablet für wenig Geld

In den USA macht sich Amazon mit dem Kindle Fire E-Book-Reader/Android Tablet ja schon fleißig auf, die Übermacht des iPads auf dem Tablet-Markt einzudämmen. Wann (oder ob!) das Gerät in Deutschland verfügbar sein wird, ist derzeit nicht bekannt. Angebote wie das Pocketbook A10 sind allerdings schon jetzt zu haben – für knapp 250 Euro in der Wifi-Version gar keine schlechte Alternative – und zwar sowohl zum klassischen E-Book-Reader mit E-Ink-Display, wie zum High-End-Tablet von Asus oder Samsung zum mehr als doppelt so hphen Preis.

Ich finde E-Book-Reader der klassischen Art ja ziemlich langweilig. Ein Bildschirm, auf dem nichts passiert, eine Internetverbindung in 50s Schwarz-Weiß. Ja, ich weiß, die lange Akkulaufzeit, der gute Kontrast, das papierähnliche Lesegegefühl. Geschenkt. Wenn ich wirklich ein Buch lesen will, kann ich das nach wie vor in Papier tun, und nicht auf etwas, das (fast) alle analogen Nachteile mitbringt, aber trotzdem Strom verbraucht. Egal. Denn das Pocketbook A10 wird zwar als E-Book verkauft, ist aber eigentlich keines: Es handelt sich um ein Multi-Touch-Tablet unter Android 2.3 Gingerbread mit ein paar zusätzlichen Funktionen zum Lesen sowie vorinstallierten Büchern – und ist damit für mich als alten „Bildschirm-Leser“ höchst interessant.

Wir lernen uns kennen

Als ich das Gerät aus seine freundlichen weiß-grünen Verpackung befreie, bin ich positiv überrascht: Zwar ist die Ausstattung spartanisch, mitgeliefert wird neben dem Netzteil nur eine samtige graue Hülle. Das Pocketbook A10 mit der weißen Kunststoff-Chassis, sechs „echten“ Tasten an der einen leicht verdickten Breitseite und der Frontkamera-Linse liegt aber gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an. Der 10 Zoll-TFT-Monitor mit kapazitiver Multitouch-Oberfläche hat eine Auflösung von 1024 x 768 Pixeln, das entspricht dem iPad/iPad2. Auch ansonsten ist das Gerät für den Preis gar nicht schlecht ausgestattet, wie ich nach dem Studieren des vorinstallierten „Manuells“ (wohl, lost in translation, das Handbuch) nach knapp fünf Stunden Ladezeit feststelle: 1GHz-Prozessor, 512 MB RAM, Micro-USB- und Kopfhörer-Anschluß, Kartenleser für Micro-SDs bis 32 GB, Mikro und zwei 0,5-Watt Lautsprecher. An drahtlosen Schnittstellen sind bei meinem Modell Bluetooth und W-LAN vorhanden, es soll jedoch auch ein Modell mit SIM-Kartenschacht auf den Markt kommen. Die Frontside-Kamera ist mit zwei Megapixeln Auflösung und vierfachem digitalen Zoom eher arg schwächlich, und wohl fürs Skypen gedacht – ich finde aber, beim Fotografieren mit einem Tablet sieht man fast immer etwas dämlich aus, und nutze die Funktion mit meinem eigenen, immerhin mit 7 Zoll etwas handlicheren, HTC Flyer so gut wie nie. Den Lautsprechersound beim Pocketbook A10 finde ich dagegen wirklich ein bisschen schwach, mit Kopfhörern ist aber nichts auszusetzen. Die Akku-Leistung in mit 6.600 mAh ziemlich gut (muss ja auch, nach der Ladezeit – das Gerät war bei Erhalt fast zur Hälfte aufgeladen!), der Hersteller verspricht bis zu sechs Stunden Videoleistung. Mit 670 Gramm ist das Gerät etwa leichter als ein iPad 1 mit 3G.

Der E-Book-Reader

Weil das Pocketbook A10 ja erst vor allem ein E-Book-Reader sein soll, gucke ich mit die entsprechenden Funktionen zuerst an. Auf dem Startbildschirm erwartet einem gleich beim Einschalten das „Bücherregal“-Widget, in dem 54 Klassiker in verschiedenen Sprachen bereits vorinstalliert wurden. Weiteres Lesefutter kann man sich im angeschlossenen Obreey-Büchershop holen. Alternativ lassen sich eigene E-Books in den Formaten TXT, PDF, ePub, HTML, FB2, .docx sowie DRM-geschützte PDFs und ePubs laden. Dazu ist zusätzlich der „Cool Reader“ mit Mini-Dateimanager installliert. Doch damit nicht genug: dank der Android-Oberfläche mit Zugang zum Market stehet es dem Nutzer natürlich frei, etwa auch die Kindle-App für Android oder Pageplace zu installieren und seine Inhalte darüber zu beziehen. Gesteuert wird die Bücheregal-App per Touchscreen oder über die „Umblättern“-Hardware-Tasten. Im Menü stehen neben Wörterbuch auch Textsuche, Notiz- und Lesezeichenfunktion zur Verfügung. Die Schriftgröße kann in mehreren Stufen verändert werden, weil das Gerät auch einen Neigungssensor hat, schaltet es automatisch (aber nicht immer blitzschnell) vom Hoch- in den Quermodus. Bei hellem Hintergrund bietet das Display eine recht großen Betrachtungswinkel, an dunklen Stellen erkennt man allerdings relativ schnell nicht mehr wirklich viel.

Das Android-Tablet

Das Pocketbook A10 ist aber nicht nur ein dröger Reader, sondern ein „richtiges“ Android-Tablet unter Android Gingerbread 2.3.5. Bis auf die beiden zusätzlichen Umblättern-Tasten konnte ich zur Google-GUI keine relevanten Änderungen erkennen. Darin unterscheidet sich das A10 etwa von vielen anderen Tablets – HTC, LG, Samsung und Sony packen über die Android-Oberfläche noch eine eigene. Ich finde die HTC-GUI „Sense“ zwar schöner als das die spartanische Google-GUI, aber das ist Geschmackssache – und verbraucht auch ganz schön Platz. Das A10 ist mit 512 MB RAM nicht üppig ausgestattet, aber nachdem ich die wichtigsten Apps und Konten installiert habe, verbleiben immer noch über 440 MB, 1:0 für die Google-GUI. Wie bei Android 2.3 üblich, sind neben Google Mail und einem über Microsoft Exchange mit dem Firmen-Account abgleichbaren Organizer eine Reihe von Multimedia-Anwendungen wie eine Youtube-App, Musikplayer, UKW-Radio, Google Maps und Latitude vorinstalliert. Ein GPS-Sensor fehlt allerdings. Das Gerät kann praktisch die Audio-Formate MP3, WMA und AAC (jeweils ohne DRM) abspielen, sowie übliche Videoformate wie 3PG, MP4 und WMV. Wem das nicht reicht, der hat über den Android Market ja immer noch die Möglichkeit, sich entsprechende Apps mit FLAC-Unterstützung zu installieren. Ebenfalls nachinstallieren muss man die Vorlese-Funktion – mir gelang es allerdings nicht, die App im Support-Bereich aufzufinden. Doch auch hier bietet der Android-Market jede Menge Alternativen.

Zu den bereits mitgelieferten Apps gehört noch ein Notizblock mit Freihand-Funktion sowie die Office Suite Pro. Das A10 unterstützt als Android-Gerät den Flash-Player, und bietet so die Möglichkeit, Flash-Streams anzuzeigen. In der Praxis ruckelte etwa das ZDF-Portal als Flash-Version trotz Installation des neuesten Flash-Players für Android allerdings merklich, auch der Ton wollte sich nicht einstellen. Mich würde das freilich eher nicht stören – zuhause habe ich weitaus größere Bildschirme, auf denen ich mit Streaming-Inhalte sehen kann, und unterwegs kann man ohne W-LAN ohnehin keine Streams gucken. Am Offline-Video-Player war zudem nichts auszusetzen, und auch mit für Mobilgeräte optimierte Stream-Seiten gab es keinerlei Probleme. Mit dem Dolphin-Browser, der die Möglichkeit bietet, den Umbruch in Text-Frames an die frei verstellbare Schriftgröße anzupassen, fand ich das Surfen noch ein bisschen entspannter als im ebenfalls vorinstallierten Google Chrome. Hier habe ich auf Flickr ein paar Screenshots unterschiedlicher Anwendungen abgelegt.

Fazit

Das Pocketbook A10 ist eigentlich kein E-Book-Reader – sondern mehr ein Android-Tablet mit E-Book-Funktion. Das hat einen Nachteil: Wer einfach nur Bücher am Bildschirm lesen will, fühlt sich, zumal wenn er mit Android nicht vertraut ist, wahrscheinlich erst mal angesichts der Möglichkeiten überfordert. Wer allerdings ein relativ günstiges Tablet mit schöner Auflösung sucht, dem bietet das Pocketbook A10 eine gar nicht mal so schlecht ausgestattete Alternative im 10-Zoll-Format. Freilich: Die Qualität und Lage der Frontkamera lassen höchstens im Notfall Schnappschüsse zu, auch ein GPS-Modul fehlt. Zwar kann man durch den Zugang zum Android Market das Gerät an so ziemlich alles an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Doch mit der (eigentlich nur für Smartphones gedachten) Android-Version 2.3 ist die Software bereits jetzt nicht mehr ganz aktuell. Zwar sollte es, ggf. mit Root-Zugang, möglich sein auf das (gerade noch) aktuelle Tablet-Android 3.2 upzudaten. Das würde allerdings wegen der Google-Specs vermutlich die Hardware-Tasten funktionslos machen. Für „mein Tablet ist größer/schneller/hat das neueste Betriebssystem“- NERDS ist das Pocketbook A10 deshalb eher keine Option. Alle anderen können mit dem A10 in die Tablet-Welt aufbrechen und durchaus eine Menge Spaß haben, ohne gleich ein halbes Vermögen auszugeben.