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Hands-on HTC Rhyme – das „Mädchen-Smartphone“

„Iiii, das ist ein Smartphone für Mädchen“, kann man nicht selten in Techie-Foren lesen. Mal abgesehen davon, dass meiner Erfahrung nach Frauen Smartphones im Durchschnitt deutlich effizienter einsetzen, wenn es darum geht, ihr Leben (und nicht selten auch gleich das ihrer ganzen Familie) zu organisieren, hat mich diese Einschätzung neugierig gemacht. Hier also mein – wie immer rein subjektives – Hands-on des HTC Rhyme.

Wir lernen uns kennen

Als das Testexemplar von der Agentur ankommt, ist es in einem weißen Vorserien-Karton – inwieweit die Originalpackung also mit pinken Blümchen, „Hallo Kitty“-Stickern und anderen Insignien, die sich Produktdesigner so für Frauen einfallen lassen, verziert ist, kann ich also nicht sagen. (Ist sie nicht, Anm. d. Redaktion.) Weil es eben kein für den Verkauf bestimmtes Exemplar ist, liegt es in der schönen Farbe „Plum“ (=dunkles Lila) vor. Die ist ungebrandet sonst kaum zu bekommen, deutsche Händler bieten praktisch ausschließlich die durchschnittsbeige Variante „Hourglass“ an. „Mein“ HTC Rhyme kommt mit einem passenden Dock, Micro-USB-Netzteil, farblich passendem Headset sowie „Cube“, je nach Bundle soll bei der Kauf-Variante noch eine Tasche dabei sein, die bei mir fehlte. Beim „Cube“ handelt es sich übrigens um eine Art „Handy-Charm“, einen kleinen Plastikwürfel, den man in die Kopfhörerbuchse steckt, und der, an einer langen Leine befestigt und außen über den Rand einer Handtasche hängend, Anrufe und SMS anzeigen soll. Das tut er auch, übrigens nur beim HTC Rhyme, obwohl man den Charm durchaus einzeln bestellen kann, denn man benötigt zum Ansprechen eine kleine, in den Einstellungen vorinstallierte App. Leider kann man darin so gut wie nichts einstellen, und so kommt es, dass das Blinken bei verpassten Nachrichten nach ein paar Minuten aufhört (?!?). Das HTC Rhyme läuft unter der derzeit am weitesten verbreiteten Android-Variante Gingerbread, bei mir unter der Versionsnummer 2.3.5. Darüber wurde allerdings die HTC-Oberfläche Sense in der allerneuesten Variante 3.5 installiert, und die bringt tatsächlich ein paar interessante Neuigkeiten. Doch dazu später mehr. Die Specs des HTC Rhyme sind mit 1-GHz-Prozessor, 3,7- Zoll-Display, Unibody-Gehäuse, 4GB Speicher/768 MB RAM sowie 5 Megapixel-Kamera mit 720p-HD-Video relativ unspektakulärer aktueller Durchschnitt.

Allerdings erwirbt man mit dem Gerät nicht einfach nur ein Smartphone, sondern sozusagen eine „Rundumbetreuung“ in fast allen modernen Lebenslagen: Das mitgelieferte In-ear-Headset macht das Teil auch zum Sportbegleiter, das Dock verwandelt es in einen Radiowecker mit durchaus eindrücklichem Sound. Für mich ist das eine echtes Kaufargument: Noch immer gibt es für Androiden kaum sinnvollen Ladedocks mit Lautsprecher-Funktion. Zwar kann man inzwischen problemlos via Bluetooth oder W-LAN an eine ganze Reihe von Lautsprecher-Systemen streamen. So überträgt übrigens auch der HTC Rhyme die Musik aus der vorinstallierten Musik-App zu seinem Dock. Einschalten braucht man die Funktion nicht, eine entsprechendes „Radiowecker“-Profil wird automatisch aktiviert, wenn man das Gerät ins Dock legt. Allerdings lädt das Gerät dabei eben auch auf, anstatt leergesaugt zu werden, und das bedeutet, dass man es wirklich als Radiowecker einsetzen kann, und zwar ohne Angst haben zu müssen, dass der Akku dann keinen Arbeitstag mehr durchhält.

Das HTC Rhyme hat übrigens ein UKW-Radio vorinstalliert, als Antenne kommt wie üblich das Headset zum Einsatz. Mit eingestecktem Headset passt es allerdings nicht mehr wirklich gut in die Ladeschale. Wer also tatsächlich gerne morgens Radio hört, sollte sich deshalb eine entsprechende App fürs Internet-Radio, etwa Radio.de installieren. Das funktioniert auch im Dock prima (also nehme ich an, gleiches würde etwa für LastFM gelten), allerdings muss man zur Steuerung das HTC Rhyme aus dem Dock nehmen, denn nur die vorinstallierte Musik-App kann auf der Dock-Oberfläche bedient werden.

Hier wurde mitgedacht!

Die Version 3.5 der Sense-Oberfläche bringt eine Reihe von nützlichen Kleinigkeiten mit, die das Leben tatsächlich deutlich erleichtern. (Hier ein paar weitere Screenshots davon). Manche entdeckt man gleich, wie etwa die „Nutzungsüberwachungs“-App, die nicht etwa die Akku-Auslastung, sondern den Versand von SMS, die Telefonminuten sowie die Datenübertragung protokolliert. Allerdings gibt es keine Möglichkeit, etwa die Taktung des eigenen Vertrags einzustellen, so dass sich, zumindest beim Daten- und Gesprächsvolumen, nur Näherungswerte ergeben. Ein weiteres „Gutti“ versteckt sich in den HTC Widgets bzw., bei genauem Hinschauen, in der Einstellung „Konto hinzufügen“: Erstmals kann man bei einem Exchange Active Sync (=Firmen)Konto auch die Synchronisation von Outlook-Aufgaben einstellen. Man muss dabei zwar aufpassen, dass man auf dem Smartphone wirklich eine Outlook- und keine lokale Aufgabe zu erstellen, ist das aber sichergestellt, funktioniert der Abgleich sogar plattformübergreifend zuverlässig. (Ja, sogar über iCal auf dem Mac. Ich nutze allerdings den in München beheimateten Dienst Interways für meinen Managed-Exchange-Server. Tolle Leute da, kann ich sehr empfehlen.) So kann man evtl. auf spezielle Aufgaben-Management-Systeme wie Remember The Milk oder Wunderlist verzichten.

Ansonsten bringt HTC Sense 3.5 ein ausgesprochen stylisches Startscreen-Widget, mit dem man seine Lieblings-Apps schön aufgeräumt links am Bildschirmrand parken kann. Wenn man eine der Apps austauschen will, scheint man allerdings das ganze Widget entfernen und wieder neu auf den Startscreen ziehen zu müssen. Das Widget, das auch die Wetter-App enthält, ist allerdings so groß, dass auf diesem Screen keine weiteren Apps mehr Platz haben. Die „Instamatic“-Filter der Kamera sind meines Erachtens dagegen nicht Sense 3.5-typisch, auch mein HTC Flyer bietet sie bereits, allerdings mit einer etwas anderen Oberfläche. Spezielle frauen-spezifische Apps wie die unsäglichen Kalorien- und Schrittmesser, die „Mädchenprodukte“ gerne vorinstalliert haben, konnte ich übrigens nicht finden – die Spiegel- und Taschenlampe-App, die es auf jedem besseren Smartphone gibt, zähle ich dabei nicht, ebenso wenig wie die Sport-App Endomondo.

Fazit

Mir hat das HTC Rhyme deutlich besser gefallen als ich zunächst dachte. Das liegt zum einen daran, dass ich mir schon seit längerem ein schönes (!) Musik-Ladedock für Androiden wünsche. Hier könnte HTC übrigens ruhig mal mit Zubehör auch für andere Modelle nachlegen. Die Verbesserungen in Sense 3.5 sind für mich substanziell, besonders was etwa die Outlook-Anbindung betrifft. Wer die nicht braucht, kann sich immer noch über die schönere Oberfläche, die Integration des FB-Chats sowie die vorinstallierte Tango-Videotelefonie-App freuen. Mir fällt beim besten Willen nichts ein, was mir beim HTC Rhyme fehlen würde – zumindest für das tägliche Leben. Wer ein „ich fahre schon auf ICS, und zwar mit Quadcore und mehr Ghz als mein PC“-Phone mit Monsterscreen und Egoverlängerung sucht, ist beim HTC Rhyme allerdings wohl falsch. Insofern, ja, ist es vielleicht tatsächlich ein Frauen (nicht: Mädchen!) Handy.