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Hands-on Sony Walkman NWZ-Z1050: Die iPod-Touch-Alternative

Wer einen dezidierten MP3-Player mit Zugriff zu einem App-Ökosystem sucht, hat außer dem iPod nicht so richtig viel Auswahl. Oder? Der Sony Walkman NWZ-Z1050 nutzt Android 2.3 Gingerbread als Betriebssystem. Macht die iPod-Alternative denn auch Spaß?

Wir lernen uns kennen

Wofür braucht man denn heute noch einen MP3-Player? Das wurde ich in der Redaktion gefragt, als unser Testexemplar des Sony Walkman NWZ-Z1050, ein hübsches dunkelrotes Exemplar mit 16 GB Speicher und extra-brillantem 4,3-Zoll-Display (800 x 480 Pixel Auflösung) angeliefert wurde. Schließlich ist praktisch in jedem Smartphone einer vorhanden. Mit einem Gewicht von 156 Gramm und 70,5 x 134,2 x 11,1 mm (B x L x H) ist der NWZ-Z1050 als Zweitgerät für die Sporttasche eigentlich zu klobig, und mit knapp 270 Euro auch ein bisschen zu kostspielig, um sein Leben zwischen ungewaschenen Sportsocken zu fristen. Andererseits verkauft Apple schließlich jedes Jahr Millionen iPod Touch, unter anderem an junge Familien, die ihren Kindern noch kein Smartphone als Musikplayer/mobile Spielkonsole erlauben wollen. Ach ja, der iPod Touch – der grüne Elefant in diesem Hands-on. Dann können wir diese Frage eigentlich auch gleich erledigen: Die aktuelle Version aus Cupertino bietet einen 3,5-Zoll Bildschirm – und damit deutlich weniger Platz, mit 960 x 640 Pixeln Auflösung allerdings ein feineres Display. Der iPod Touch hat ein Front- sowie ein Rückkamera, Gyro-, Umgebungslicht und Beschleunigungssensor. Die beiden letztgenannten Sensoren und die Kameras fehlen beim Sony-Modell, W-LAN und Bluetooth-Schnittstelle bieten dagegen beide. Mit 289 Euro ist das mittlere iPod-Touch-Modell um 20 Euro teurer als der NWZ-Z1050, bietet allerdings mit 32 GB auch gleich doppelt so viel Speicher.

Freiheit, die ich meine

Für den NWZ-Z1050 spricht natürlich das Betriebssystem: Mit Android 2.3 muss man sich nicht auf das Apple-Universium mit seinen gelegentlich doch – nun sagen wir mal – recht rigiden Vorstellungen einlassen. Wer sich allerdings an die Kurzanleitung von Sony hält, landet vom Regen in der Traufe: Hier wird einem nämlich erst mal die Installation der praktischerweise auf dem Gerät geparkten Media-Go-Software auf dem Windows-PC nahelegt. Damit hat man dann vor allem Zugriff auf den Sony-Games- und Video-Shop, kann sich aber auch die Inhalte auf dem Walkman anzeigen lassen sowie Musik- und Filmdaten synchronisieren. Die Software kann auf Wunsch auch in iTunes gespeicherte Medien in das Sony-System importieren. Glücklicherweise muss das nicht sein, zumindest dann nicht, wenn man das Gerät einfach als Musikplayer verwenden will. Dann nämlich kann man den per USB-Kabel den Walkman auch einfach per „Drag and Drop“ in den Musikordner auf dem Player befüllen, denn er mountet auf PCs (und Macs) als USB-Speicher.

Macianer haben auch noch die Alternative, nach dem Download von Double Twist auf Mac und Androide, iTunes-Playlisten direkt per W-LAN zu übertragen. Der NWZ-Z1050 spielt MP3s, WMAs (auch mit DRM) sowie ungeschützte AAC-Musikdaten ab. Man ist also nicht auf den iTunes-Store beschränkt, sondern kann etwa auch bei Amazon MP3s einkaufen. Auch Sony bietet seinen Musik-Katalog an, vorinstalliert ist ein Zugang zu „Music Unlimited“, einem On-demand-Abo-Modell. Wer die 30 Tage kostenlose Probemitgliedschaft ausprobieren will, braucht allerdings eine Kreditkarte – und sollte den Kalender im Auge behalten: Nach der Grace Period ist man nämlich mit knapp zehn Euro pro Monat dabei.

Natürlich kann der Walkman NWZ-Z1050 auch Videos, etwa im MPEG 4-, im AVC (H.264/AVC)- sowie im WMV9-Format abspielen sowie JPG-Bilder anzeigen. Ein Radio ist ebenso integriert wie ein Mikro, mit dem sich etwa Sprachnotizen aufnehmen lassen. Der DLNA soll man Inhalte auf jedes entsprechend zertifizierte Unterhaltungsgerät, also etwa TVs übertragen können (sorry, nicht ausprobiert – Fernseher haben wir seit einer Ewigkeit keinen mehr ..). Dank Bluetooth sollte auch das Streamen auf entsprechende Media-Docks kein Problem sein. Da der NWZ-Z1050 Zugang zum Android-Markt besitzt, lässt er sich beispielsweise nach dem Download der entsprechenden App auch zusammen mit Multiroom-Systemen wie etwa von Sonos einsetzen. Spiele wie etwa Angry Birds findet man natürlich auf dem Android Markt auch zuhauf. In unserem Hands-on dauerten Installationen aus dem Market allerdings seltsamerweise deutlich länger als sonst gewohnt, und das, obwohl der NWZ-Z1050 mit einem 1-GHZ-Prozessor alles andere als schwachbrüstig ausgestattet ist.

Wie jetzt? Das Fazit

Würde ich den Sony Walkman NWZ-Z1050 kaufen? Schwierige Frage. Der helle Bildschirm, die lange Akkulaufzeit (14 Stunden Musikwiedergabe lt. Hersteller!) und die gute Soundqualität sind ein definitives Plus, genauso – aber das ist im Grunde letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks – das Android-Betriebssystem. Das Gerät kommt mit in meinen Ohren recht hochwertigen In-Ear-Kopfhörern, aber ohne Netzteil. Wer nicht über den Computer aufladen will, muss hier also nachkaufen. Das sollte man allerdings ohnehin – der Gerätestecker hat nämlich ein proprietäres Format, sich unterwegs einfach irgendwo einen Apple- oder Micro-USB-Stecker zu leihen, wenn der Saft mal unverhofft ausgeht, klappt also nicht. Bleibt das Preis-Leistungsverhältnis. Da kommt man nicht an der Tatsache vorbei, dass der iPod Touch für nur 20 Euro mehr doppelt so viel Speicher bietet – und etwa Lenovo für 100 Euro weniger ein Gingerbread-Tablet mit ähnlichen Leistungsdaten, aber 7-Zoll-Bildschirm. Aber ein Walkman war eben nie nur ein tragbarer Musikabspieler, sondern immer auch ein Statement – und das muss es einem dann eben wert sein. Oder auch nicht.